Tagebuch aus Marpod: 25. Oktober 2020

Gestern um 7.30 Uhr kam die Nachricht aus Tichindeal. Andrea hat ihr Kind geboren. Sofia, Weisheit, wird sie heißen und soll ihr gegeben sein. Am Vortag war sie im Spital, aber die Ärztin schickte die 15jährige Zigeunerin wieder nach Hause. Das seien keine Wehen sondern Blähungen. Zuhause half ihre ältere Schwester Cristina, ohne Wasser oder sonstige hygienischen Hilfsmittel. Inzwischen sind Mutter und Kind wieder im Spital, die Kleine muss wohl noch im Brutkasten aufgepäppelt werden, damit sie das harte Leben in Tichindeal bestehen kann. Ein neues Leben, eine neue Aufgabe!

Marpod – ein neues Zentrum für ELIJAH
Unsere Gemeinschaft ist nicht nur mit Sofia gewachsen. Im Sommer sind über zehn rumänische Volontäre zu uns gekommen. Fünf haben sich entschlossen, ganz bei uns zu bleiben. Auch aus Österreich sind zwei Mutige da – Emilia und Pepi. Sie wohnen mit uns und einigen Schützlingen in der ELIJAH-Gemeinschaft. Wir sind so viele geworden, dass wir mit drei Volontären ein Dorf weitergezogen sind. Nach Marpod, wo unser Bauhof angesiedelt ist. Hier bauen wir eine neue Gemeinschaft auf. Zimmer, Bibliothek und Kapelle sind schon eingerichtet. Heute haben wir hier mit P. Georg die erste Hl. Messe gefeiert. Kalt ist es noch, die Heizung wird erst in einer Woche geliefert. Im großen Gemeinschaftsraum wird gegessen – das Brot kommt aus der ELIJAH-Bäckerei in Hosman, Gemüse aus unserem Garten, wir hatten eine gute Ernte. Hier wird die Bibelschule für Mitarbeiter stattfinden. Und P. Georg wird die Prophetenschule – eine mutige Ausbildung für unsere MitkämpferInnen – ausbauen.
Bald wird auch der Raum im Erdgeschoss benutzbar sein. Hier werden Kinder aus den Familien, die Probleme haben, Hausaufgaben machen und die nötige Hilfe bekommen. Ein kleines Sozialzentrum. Es wird ein offenes Haus für alle, die uns brauchen. Le Chaim – auf das Leben! – wird das neue Zentrum heißen, wie das Buch des Oberrabbiners Paul Chaim Eisenberg, der uns besucht hat.

Auch die Keramikwerkstatt wird hier untergebracht. Angela King ist im Herbst nach Vorarlberg zurückgefahren, nach über 40 Jahren gemeinsamer Arbeit möchte sie jetzt ihre Familie und den wohlverdienten Ruhestand genießen. Sie wird wiederkommen, um Töpferkurse abzuhalten.

Noch wird mit Hilfe unseres starken Teams vom Bauhof renoviert. Viele Pläne und Ideen sprühen in den verjüngten Mauern. Es ist ein Neuanfang. Schnell haben wir uns in Marpod eingelebt.
Bis jetzt konnten wir unsere Freunde aus der ersten Gemeinschaft in Hosman noch nicht zur Eröffnung hier einladen. Denn dort sind alle sind bis morgen in Quarantäne. Ovidiu hatte sich mit dem Virus angesteckt, jetzt heißt er bei uns Covidiu. Wie viele Junge hat er es zum Glück gut überstanden.

Lange von dem Corona-Unheil verschont, ist jetzt der Virus auch in Transsilvanien angekommen. Jeden Tag war die Polizei am Hoftor und hat streng kontrolliert, ob alle die Quarantäne einhalten. Wer nicht zuhause ist, muss 14 Tage „nachsitzen“ in einer „institutionalisierten Isolation“ – ein Horror. Ovidiu durfte sein Zimmer nicht verlassen, die Mädchen haben Masken genäht, die wir dringend in den Sozialzentren brauchen. Die Hosman-Gemeinschaft ist selbständig geworden, sie hat die Feuerprobe bestanden!

Bis jetzt können wir alle Zentren noch offenhalten. Die Schule in Nocrich ist gesperrt, weil eine Lehrerin erkrankt ist. Auch in Hosman ist die Grundschule geschlossen.
In Sibiu sind ab Montag alle Schulen zu. Welch ein Glück, dass wir dort das Schülerheim Casa Francisc haben! 32 Jugendliche sind im September eingezogen und können den Online-Unterricht mitmachen. Zuhause wäre das unmöglich.

Nou – das Sozialzentrum ist voll belegt, soweit es erlaubt ist. Alle tragen Mund-Nasenschutz. Vormittags kommen Schüler und Lehrer aus der Dorfschule ins Haus, weil sie nicht genügend Platz haben, um die Distanzregeln einzuhalten. Der neue Sportplatz ist eine Freude für alle und ist eine große Hilfe. In den Herbsttagen können wir dort auch Tanz, Karate und Musik abhalten.

Diesen Sommer haben wir viel gebaut. Casa de piatra – ein Haus aus Stein – heißt das Hilfsprogramm. Ein Dach über dem Kopf und feste Mauern sind die Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben, für Lernen und Arbeiten, auch für Freude und Feiern. Vier Familien sind schon in ein neues Haus eingezogen, sechs Familien werden noch vor dem Winter ein Zuhause haben. Einige haben Baumaterial bekommen und bauen selber.

Es geht weiter. Auch und trotz Corona. Wir wissen nicht, wie es werden wird. Kommt wieder eine Ausgangssperre? Müssen wir wieder Corona-Pakete an die Familien austeilen, die keine Vorräte haben? Die nicht mehr als Taglöhner arbeiten können? Können die Kinder in die Schule? Müssen wir wieder Musikschule und Sozialzentren zusperren? Kommen wieder Freunde und Gäste zu uns?

Die Krankenhäuser hier sind überfordert. Können wir im Notfall aus dem Land ausreisen? Planen kann man zur Zeit nichts. Die Corona-Zeit zwingt uns, Neues zu versuchen. Wir haben 80 junge Mitarbeiter zu organisieren und auszubilden. Sabin leitet die geschäftlichen Agenden, Antoaneta die sozialen. Das mutige Team macht mir Hoffnung. Was auch immer kommt, mit Weisheit und den neuen Kräften werden wir durch den Winter kommen. Dank den Freunden, die uns die Treue halten!

Ruth Zenkert




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Einen Überblick über unsere Tätigkeiten geben wir Ihnen in unseren Briefen von Pater Georg aus Hosman, unseren Publikationen und bei Veranstaltungen mit Pater Georg Sporschill SJ.
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Einblicke in die tägliche Arbeit liefern uns Tagebücher unserer Mitarbeiter.



„Wir gehen dorthin, wo die Not am größten ist. Wie der Prophet Elijah treten wir gegen Ungerechtigkeit auf und holen die Roma-Kinder vom Rand in die Mitte der Gesellschaft.“  Pater Georg Sporschill SJ, Gründer von ELIJAH

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