Tierliebe in Zeiten des Coronavirus

Josef Steiner

Im Jahre 2020 wurden in Deutschland eine Million Haustiere mehr erworben als in den Jahren zuvor. Ein Zeichen der Hoffnung?

(In die Arche Noachs gingen seine Familie) Sie und alle Arten der Tiere, alle Arten des Viehs und alle Arten der Kriechtiere, die sich auf der Erde regen, und alle Arten der Vögel, alles Gefiederte und alles Flügel Schlagende.
Gen 7,14

 

Ich war immer dagegen. Die Wohnungen und Häuser der Stadt, selbst die mit einem kleinen Garten, seien kein geeigneter Lebensraum für Tiere, fand ich. Nun nahm mich meine Enkelin Esther in einen Lernprozess mit. Die Mutter, ideologiefreie Vegetarierin, und Greta Thunberg, medienpräsente Klima-Aktivistin, sind für eine Zehnjährige attraktive Vorbilder. Von ihnen lernte sie, dass Tiere kein Konsumgut und die Natur ein zu schützendes Kulturgut sind. Sie begann mich in engagierten Vorträgen über die Bedeutung der Bienen und über die mit ihrem Aussterben verbundenen Gefahren zu belehren, ganz im Stil des Albert Einstein zugesprochenen Wortes: „Wenn die Bienen aussterben, sterben vier Jahre später auch die Menschen.“ Dann wurde ihre Sehnsucht nach einem eigenen Haustier immer stärker. Ursprünglich dachte sie an eine Katze, dann lenkte eine Freundin ihr Interesse auf Meerschweinchen. In unzähligen Diskussionen versuchte Esther mit der ihr eigenen Beharrlichkeit, die Bedenken der Eltern, dass Haustiere nicht zum Freizeitvergnügen da seien, sondern Verantwortung und Verpflichtung mit sich brächten, die für die gesamte Familie Konsequenzen hätten, zu zerstreuen. Als sich dann bei der Bescherung zu Weihnachten ein großes Paket als ein ganz aus Holz gefertigter und großzügig gestalteter Stall für Meerschweinchen entpuppte, war die Freude übergroß; ihr Traum wurde wahr. Esther begann nun sich intensiv über Voraussetzungen einer tiergerechten Haltung von Meerschweinchen zu informieren: Ausstattung und Gestaltung des Stalls, Eigenschaften und Eigenheiten ihres Verhaltens, Tipps zur Beziehungsaufnahme und Pflege, geeignetes Futter… ein kleines Studium. Am Beginn des Frühlings war es dann so weit. Bei einem Züchter erwarben sie drei Männchen, sie erhielten die Namen Blacky, Star und Sky. Zuhause begann dann die Arbeit: einfühlsame Nähe und Distanz zur Gewöhnung an den neuen Lebensraum, regelmäßige und abwechslungsreiche Fütterung, Gesundheitskontrolle, Reinigung des Stalls … dreiundzwanzig Dinge schrieb Esther mir auf, die sie zu erledigen hat. Tierliebe ist konkret. Jetzt sind Organisation, Verlässlichkeit und Treue gefragt. Ich bin gespannt.

Die Bibel denkt groß von den Tieren. Geschaffen am selben Tag und gewoben aus demselben Element wie der Mensch, sind sie sich von Anfang an besonders nahe. Auch in ihrem Schicksal. Und so rettet Gott in der Katastrophe der Urflut mit den Menschen auch die Tiere. Es ist ein geordneter Einzug, den Noachs Familie vornimmt. Mit den gefährlichsten, den wilden Tieren beginnen sie. Die Kriechtiere sind dann eher eine Arbeit des Sammelns. Und am Schluss überzeugt die Familie die Vögel, zugunsten des Überlebens auf ihren Freiheitsdrang zu verzichten. Was für ein schönes Bild des friedlichen Miteinanders auf engstem Raum.