Living for a dream

Ruth Zenkert

Was trägt dich? Welches Erlebnis erhebt dein Herz?

Die Flut auf der Erde dauerte vierzig Tage. Das Wasser stieg und hob die Arche immer höher über die Erde.
Gen 7,17

 

Es war einmal. Kinder von der Straße kamen in unser Sozialzentrum in Bukarest und fanden eine Heimat im Kinderhaus. In dieser Familie begannen sie zu musizieren, manche gingen auch in die Schule. Begabungen blühten auf, es bildete sich die Band „Jamoja“ – „Los geht’s“, die mit heißer Zigeunermusik alle mitriss. Einige Mitglieder kamen später sogar nach Transsylvanien, um uns in der Musikschule zu unterstützen. Sie gründeten eine neue Band, die „Schatra Elijah“. Saxophon, Klarinette, Querflöte, Klavier, Trommeln und eine wunderbare Stimme bezirzten die Zuhörer. Die Gruppe wurde so gut, dass wir eine CD-Aufnahme planten. Das Studio war schon organisiert. Da begann die Flut von Enttäuschungen. Der Pianist hatte plötzlich andere Pläne. Das Hirn war in die Hose gerutscht, überstürzt reiste er seiner großen Liebe nach. Nach schlimmen Irrwegen landete er schließlich in England, wo er jetzt Pizza ausfährt. Der Saxophonist klaute einen Verstärker und war eines Morgens über alle Berge. Die Flötistin, vierzehn Jahre alt, brach die Schule ab und fand einen Freund, in dessen Obhut sie alle Freiheiten genoss. Der Trommler suchte bei einer anderen Organisation sein Glück, die Sängerin folgte ihm. Eine große Welle riss alle Freunde weg. Ein Traum war geplatzt. Wir mussten von vorne beginnen. Inzwischen gibt es zwei Nachwuchsgruppen.

Vierzig Tage nach Ostern, am Fest Christi Himmelfahrt – war es ein Zufall? –, klopfte es an unserem Tor. Ich traute meinen Augen nicht. Da stand die „Schatra Elijah“ vor mir, fast vollzählig! Der „Engländer“ war für ein paar Tage im Land, die anderen brachten ihn zu uns. Sie fielen mir um den Hals, trotz Corona und obwohl ich damals ziemlich wütend über sie gewesen war. Wir feierten die Messe, es gab ein festliches Mittagessen, wir spazierten über die Hügel. Sie erzählten von ihren Abenteuern, Plänen, und vertrauten mir ihre Sorgen an. Einer hat eine eigene Organisation, die Caravana Gypsy Jazz, gegründet, da hakt es noch ziemlich. Die Saxophonistin wird in Deutschland Musik studieren. Der Dieb hat eine Familie mit zwei Kindern und sucht gerade Arbeit und Wohnung. Zurück im Haus vibrierte es in allen. Sie packten ihre Instrumente aus und legten los. Wie in alten Zeiten swingten sie sich ein. Die Elijah-Hymne, ihre besten Zigeunerstücke, „Living for a dream“ und Jazz, den sie bei uns gelernt hatten. Unsere Herzen erhoben sich in himmlische Sphären.

Die Flut hatte nicht alles zerstört. Etwas war geblieben in den Wogen der Enttäuschungen und Abstürze. Sie nannten uns Tati und Mami. Die Familie hatte überlebt. Ich empfand wie Noach. „Die Flut auf der Erde dauerte vierzig Tage. Das Wasser stieg und hob die Arche immer höher über die Erde.“ Was er im göttlichen Auftrag gebaut hatte, funktionierte. Die Holzkonstruktion trug und erhob sich über das menschliche Versagen.
Unsere Arche schaukelte vierzig Tage nach Ostern über allen Katastrophen, traumhaft über der Erde.

Was trägt dich? Welches Erlebnis erhebt dein Herz?