Mitarbeiter tragen die tägliche Arbeit mit, sie bereichern mit ihrem Einsatz und ihrer Individualität das Werk. Sie führen Tagebuch und lassen uns an ihren Gedanken, die sie in ihrem Tun begleiten, teilnehmen.


Pepi, Volontär: Nach einem Jahr Zivildienst in einem Wiener Flüchtlingswohnheim, versuche ich hier die Frage für mich zu beantworten, ob Sozialarbeit wirklich funktionieren kann. Um die Antwort vorweg zu nehmen: Ja, sie kann funktionieren, gute Sozialarbeit kann Welten ver-setzen und Leben verändern. Das Kinderlachen, die ständig vollen Sozialzentren und die veränderten Lebensumstände der Roma lassen mich verstehen, warum man sein Leben und seine ganze Kraft hier investiert. Ich habe das Gefühl bekommen, etwas bewirken zu können.


Ovidiu Căliman, 24, Volontär: “Unser tägliches Brot” hallt unaufhörlich in meinem Kopf wider. In der Predigt haben wir über dieses gebrochene Brot gesprochen. Jesus wurde in dieser Geste des Brechens erkannt. Ich glaube, dass auch wir als seine Jünger erkannt werden, wenn wir uns brechen für andere, wenn wir etwas von uns abgeben. In der Sozialarbeit sehe ich täglich, dass neben dem materiellen Brot, dem alltäglichen Brot, das wir alle brauchen, ein viel tieferer Hunger liegt: der Hunger nach einem Brot, das wir uns gegenseitig geben und das wir selbst sind. Die bemerkenswerteste Erfahrung in meiner Arbeit mit Armen ist, dass sie mir am Ende mehr geben, als sie von mir erhalten. Sie geben mir Essen, sie geben mir Brot für meine Reise.


Florentina Sandu, 39, Sozialarbeiterin in Casa Paul: Zeichnen, Tanzen, Singen – das sind die Lieblingsbeschäftigungen unserer Kinder in Casa Paul. Es sind Werkzeuge, mit denen wir sie ermutigen können, sich auszudrücken. Sie haben die größte Freude, wenn sie uns beschenken – mit Zeichnungen, kleinen Blumen, Sandkuchen, einem Lied, wenn sie „Bitte“ und „Danke“ sagen. Nadina, ein 6-jähriges Mädchen, stürzte in meine Arme und flüsterte mir ins Ohr: “Danke, dass du in meinem Leben bist!” Mit Tränen in den Augen, überrascht von ihren Worten, antwortete ich: “Und ich danke dir, mein Wunder, dass du in meinem Leben bist!”
Gerne erinnere ich mich, in Momenten von Ungewissheit, an diesen kurzen und tiefen Dialog mit einem Kind, das in einer Randgruppe lebt. Dies sollte die Grundlage unserer Gesellschaft sein: „Danke, dass du da bist.”


Benedicta Toma, 24, Volontärin: Das Virus überraschte mich und ich wachte in einer Wohnung auf, ohne Hof, ohne Garten und ohne Sterne. Weit weg von den Kindern, von Freunden und von den Bergen. Ich bin hier und möchte der Versuchung widerstehen, einfach zu laufen, um irgendwo anders zu sein als hier. Um irgendwo in der Zeit zu reisen, gestern oder morgen, nur um heute zu vermeiden.
“Der Himmel ist da, wo du bist”, schwingt es in meinem Kopf, also beginne ich hier nach dem Himmel zu suchen. Und wer hätte gedacht, dass es den Himmel hier in meinem Block gibt, auf dem „grünen Platz“ mit den vielen Bäumen und Blumen, in den Vögeln, die ich höre und beobachte, in meiner Mutter, die ich in ein paar Tagen besser kennenlernte als in den Jahren zuvor … in der Ferne, die die Verbindung zu meinen Freunden nicht unterbricht, sondern sie mit Leben, Liebe und Bedeutung erfüllt. Wer hätte gedacht, dass wir füreinander beten und uns auf diese Weise mehr denn je vereint fühlen würden? Lasst uns den Himmel fühlen, wo wir sind, und wenn wir ihn nicht sehen, bringen wir ihn.
Lasst uns Träger des Himmels sein, wo immer wir sind. Und lasst uns kreativ sein.


Maria-Minodora Lăcătuș, 22, Sozialarbeiterin in Casa Martin: Bei Elijah wird nichts oberflächlich behandelt, sondern wird die Wurzel des Problems gesucht, um die beste Lösung zu finden. Wir, die Erzieher, kennen nicht nur den Vornamen jedes Kindes, sondern auch die Namen ihrer Eltern und Geschwister, ihr Temperament und ihre Träume.
Ich hoffe, dass wir in dieser schwierigen Zeit eine Weile stehen bleiben und erkennen, dass Aufgeben nicht unbedingt Verlust bedeutet, sondern auch neue Möglichkeiten eröffnet. Ich hoffe, dass wir nicht nur unsere Hände, sondern auch unsere Herzen desinfiziert haben. Ich hoffe, dass wir nicht nur dafür dankbar sind was wir haben, sondern auch wofür wir da sind.


Erzählungen von Angestellten
  • Liviu, Leiter der Landwirtschaft
Eindrücke von Volontären