Tiroler Bauer, dringend gesucht

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Tiroler Tageszeitung, 13.8.2016
Markus Schramek

Bruno und Georg Sporschill wollen einen Landwirt dafür gewinnen, bei den Roma in Siebenbürgen einen Lehrbetrieb aufzubauen. Bauernbundchef Josef Geisler bietet Hilfe an.

Innsbruck, Siebenbürgen – „Bauer sucht Frau“ taugt als Quotengarant im Privatfernsehen. „Dorf sucht Bauer“ ist dagegen ein neuer Ansatz. Es handelt sich dabei auch nicht um Stoff für den Flatscreen, sondern um ein Hilfsprojekt in Rumänien. Ob diesem ähnlicher Erfolg beschieden ist wie der rustikalen Brautschau im Hauptabendprogramm, muss sich noch weisen.

Gesucht wird jedenfalls ein Tiroler Landwirt. Mitzubringen hat er sein Fachwissen und die Bereitschaft, für einige Zeit – zumindest mehrere Monate, vielleicht auch Jahre – in Rumänien zu arbeiten. Heimatbesuche sind natürlich vorgesehen. In einem Dorf in Siebenbürgen, zur Auswahl stehen Holzmengen/Hosman, Neudorf/Nou und Ziegental/Tichindeal, soll ein Bauernhof als Lehrbetrieb aufgebaut werden.

In Siebenbürgen haben über Jahrhunderte deutschsprachige Nachkommen ausgewanderter Sachsen gelebt. Nach dem Fall des Kommunismus 1989 haben viel­e von ihnen Rumänien den Rücken gekehrt und sich in Deutschland niedergelassen. In Siebenbürgen entstanden bitter­arme Roma-Siedlungen, Slum-artig, mit Hütten ohne Strom und Wasser.

Jesuitenpater Georg Sporschill und Ruth Zenkert haben sich dieser Menschen am Rande der Gesellschaft angenommen. „Wir gehen dorthin, wo die Not am größten ist“, lautet das Motto von Sporschills Hilfsprojekt „Elijah“ (www.elijah.ro).

Sporschill und seine Helfer holen Kinder von der Straß­e, sie erlernen schulische Grundkenntnisse wie Lesen und Schreiben. Eine Lehrwerkstatt vermittelt Jugendlichen ohne Schulabschluss handwerkliche Fähigkeiten. Ein eigenes Bildungshaus wurde geschaffen, zu Unter­richtszwecken, aber auch als Treffpunkt für die Roma-­Gemeinschaft.

Und jetzt soll ein landwirtschaftlicher Betrieb entstehen, mit allem, was zu einem Hof so dazugehört: Kühe, Schweine, Schafe, Hühner, Gemüseanbau. Das nötige Fachwissen fehlt den Roma vor Ort aber gänzlich. Und jetzt kommt der gesuchte Tiroler Landwirt ins Spiel.

Bruno Sporschill (77) ist einer der fünf Brüder Georgs (70). Bruno ist ausgebildeter Maschinenbauer, arbeitete jedoch in seinen letzten Berufsjahren (bis 2002) als Obdachenlosenbetreuer in der Stadt Innsbruck.

Aktuell will er seinem Bruder Schützenhilfe leisten: Bruno hat es sich in den Kopf gesetzt, Georg einen Landwirt für Rumänien zu ver­mitteln.

Für Gottes Lohn müsste der Tiroler Exportbauer in Siebenbürgen keineswegs arbeiten. „Er bekommt ein Dienstverhältnis und ein Gehalt, das sich nicht an rumänischen, sondern an Tiroler Maßstäben orientiert“, rührt Bruno die Werbetrommel. „Gottes Lohn kommt dann später“, merkt er lächelnd an.

Das gesamte Projekt „Baue­r für Siebenbürgen“ ist nach den Worten Brunos durch Sponsoren ausfinanziert. Sämtliche Investitionen vor Ort werden aus diesen Mitteln bestritten. Den Tiroler Bauern als Chef auf dem künftigen Hof soll kein finanzielles Risik­o treffen. Unterstützt wird er von Mitarbeitern von „Elijah“ und natürlich von Bewohnern des Roma-Dorfes. Mittelfristiges Ziel ist es nämlich, dass diese vom Tiroler Fachmann lernen, den Hof selbst zu bewirtschaften, um sich dann mit seinen Erträgen versorgen zu können.

„Es müsste wohl ein jüngerer Bauer sein, der nach Rumänien geht“, meint Bruno. Jemand, der in Tirol schon selbst einen Hof zu betreuen oder eine Familie hat, sei dazu wohl kaum zu bewegen. Der landwirtschaftliche Experte sollte überdies bald verfügbar sein, damit das Projekt in die Gänge kommt.

Die Zeichen dafür stehen gar nicht so schlecht. Denn die Spitzen der Tiroler Landwirtschaft klinken sich in die Suche nach einem geeigneten Bauern ein.

Agrarlandesrat und Bauernbundobmann Josef Geisler wird Bruno Sporschill persönlich zu einem Gespräch einladen, wie Geisler auf Anfrage der TT mitteilt. Überdies will der Politiker entsprechende Informationen an den landwirtschaftlichen Schulen des Landes verteilen lassen. Dort sitzen ja potenzielle Kandidaten für Siebenbürgen.

Auch mit Hilfe in schriftlicher Form ist zu rechnen. Ferdinand Grüner, Direktor der Landwirtschaftskammer, will das Projekt der Sporschills über die Bauernzeitung bei Tirols Agrariern bekannt machen.

Haben Sie Interesse? Melden Sie sich direkt bei Elijah.