Volksgruppe der Roma



Roma sind die größte ethnische Minderheit in Südosteuropa, die seit vielen Generationen in Armut und Ausgrenzung lebt. Die Volksgruppe wanderte zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert in mehreren Schüben über Persien, Armenien und dem byzantinischen Reich vom indischen Subkontinenten nach Europa. In Rumänien wurden Roma bis ins 19. Jahrhundert als Sklaven in den Fürstentümern gehalten, in den ehemals ungarischen Gebieten Siebenbürgen und Banat lebende Gruppen waren hingegen als selbständige Wander-Handwerker oder Händler tätig. Die traditionellen Handwerksberufe definieren noch heute die unterschiedlichen Roma-Gruppen. Es gibt Calderari und Corturari (Kupfer- und Blechschmiede), Baiesi (Korbflechter) sowie die Tigani de matasa (Musiker und Antiquitätenhändler).

Das kommunistische Regime hat die Volksgruppe der Roma bis 1989 an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Damals wurden sie als unqualifizierte, billige Arbeitskräfte in Fabriken, Berg- und Straßenbau sowie der Ziegelproduktion eingesetzt, jedoch ohne jegliche Aufstiegsmöglichkeiten. Versuche, sie in die Gesellschaft zu integrieren, wurden nicht unternommen, im Gegenteil, sie waren Opfer staatlicher Willkür und in reinen Roma-Vierteln am Rande der Großstädte besten Falls geduldet. Nur schwer erholen sie sich von den vielfältigen Formen der Diskriminierung und Ausgrenzung. Seit dem Umsturz 1989 hat sich ihre ökonomische Situation sukzessive verschlechtert. Hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit hohen Geburtenraten und einem vielerorts praktizierten Ausschluss von staatlichen Versorgungsleistungen führte zu einem Anstieg der Not. Nach den Armutsberichten der Weltbank sind Roma eine der am meisten gefährdete Gruppen in Europa und Zentralasien. In Rumänien ist die Armutsrate unter Roma – im Vergleich zu Ungarn und Bulgarien – am höchsten.

Ein möglicher soziale und ökonomischer Aufstieg der jungen Generation wird gleichermaßen durch Bildungsdefizite sowie Diskriminierung im staatlichen Bildungssystem verunmöglicht. Gründe für das niedrige Bildungsniveau der Kinder sind die geringe Wertschätzung von Schulbildung seitens vieler Eltern wie auch eine grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Nutzen von Bildungseinrichtungen. Kinder werden im Familienverband zumeist als Arbeitskraft gebraucht, weshalb viele Roma-Kinder in Rumänien die Pflichtschule entweder gar nicht besuchen oder ohne Abschluss verlassen. Auch im Bereich der medizinischen Versorgung sind Roma in Rumänien weit entfernt von europäischen Standards, mangels finanzieller Ressourcen und Ausgrenzung fehlt der Zugang zu ärztlicher Grundversorgung. Die Diskriminierung von staatlicher Seite sowie die in der rumänischen Gesellschaft vorhandene Abneigung gegen die „Zigeuner“ hat die Stellung als Randgruppe weiter verfestigt. Im gesellschaftlichen Zusammenleben herrscht in Siebenbürgen eine deutliche Hierarchie zwischen den Sachsen, Rumänen und den Roma-Gruppen.

Heute leben in einst florierenden Siebenbürger Sachsen-Dörfern, nur eine Stunde von Sibiu, ehemals Hermannstadt, entfernt, mehrere tausende rumänische Familien, die meisten sind Roma. Nach 1989 sind beinahe alle der seit 900 Jahre ansässigen Sachsen ausgewandert. Viele Häuser verwahrlosen und verfallen, teils sind rumänische Bauern in die Häuser der deutschsprachigen Sachsen gezogen. An den Ortsrändern haben sich Armutsvierteln gebildet, dort hausen Roma-Familien illegal in kleinen Lehmhütten in bitterster Not. Der Alltag ist ein Überlebenskampf.

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