Volksgruppe der Roma



Roma, die mit zehn bis zwölf Millionen Menschen größte ethnische Minderheit in der Europäischen Union, lebt seit vielen Generationen in Armut, Ausgrenzung und Verfolgung. Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert wanderte sie vom indischen Subkontinent nach Europa ein, ihr Schicksal ist regional sehr unterschiedlich (Europarat, 2011). In Rumänien wurden die Roma bis ins 19. Jahrhundert als Sklaven in den Fürstentümern gehalten, in den ehemals ungarischen Gebieten Siebenbürgen und Banat lebende Gruppen waren hingegen als selbständige Wander-Handwerker oder Händler tätig.Die traditionellen Handwerksberufe definieren noch heute die unterschiedlichen Roma-Gruppen. Es gibt Calderari und Corturari (Kupfer- und Blechschmiede), Baiesi (Korbflechter) sowie die Tigani de matasa (Musiker und Antiquitätenhändler).

Vorurteile und Stigmatisierung der Roma haben in den europäischen Gesellschaften lange Tradition. In der NS-Zeit nahm die Verfolgung ihren Höhepunkt, rund 500.000 Angehörige der Minderheit wurden getötet. Unter dem kommunistischen Regime führte ihre Integration in den Arbeitsmarkt und das Bildungssystem zu Verbesserungen der Lebenssituation vieler Familien. Seit dem Umsturz 1989 und dem Übergang zur Marktwirtschaft hat sich die ökonomische Situation der Roma jedoch wieder sukzessive verschlechtert. Hohe Arbeitslosigkeit gepaart mit hohen Geburtenraten und dem weitgehenden Ausschluss von staatlichen Versorgungsleistungen führte zu einem Anstieg der Not. Heute leben zwei Drittel der Roma in den osteuropäischen Ländern Bulgarien, Slowakei, Tschechien, Rumänien und Ungarn. Nach offiziellen Daten der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2011 beträgt die Zahl der Roma in Rumänien 620.000 Personen, das sind 3,2 Prozent der Bevölkerung (Institutul Naţional de Statistică, 2011). Verlässlich sind diese Angaben nicht, da sich viele aus Angst vor Stigmatisierung nicht zu ihrer Ethnie bekennen. Experten gehen tatsächlich von deutlich mehr als einer Million Roma im Land aus, die Einwohnerzahl von Rumänien liegt bei rund 20 Millionen.

Laut der EU Agency for Fundamental Rights leben die meist Roma-Familien in großer Mehrheit unter der Armutsschwelle und werden in den EU-Staaten hinsichtlich Beschäftigung, Bildung, Wohnen und Gesundheitsversorgung diskriminiert sowie in der Versorgung mit lebensnotwendigen Diensten benachteilig. Ein möglicher soziale und ökonomischer Aufstieg der jungen Generation wird somit verunmöglicht. Ein Grund für das niedrige Bildungsniveau der Kinder ist auch die grundsätzliche Skepsis der ELtern gegenüber dem Nutzen von Bildungseinrichtungen. Kinder werden im Familienverband zumeist als Arbeitskraft gebraucht, weshalb viele Roma-Kinder in Rumänien die Pflichtschule entweder gar nicht besuchen oder ohne Abschluss verlassen. Die Diskriminierung von staatlicher Seite sowie die in der rumänischen Gesellschaft vorhandene Abneigung gegen die „Zigeuner“ hat die Stellung als Randgruppe weiter verfestigt. Im gesellschaftlichen Zusammenleben herrscht in Siebenbürgen eine deutliche Hierarchie zwischen den Sachsen, Rumänen und den Roma-Gruppen.

Heute leben in einst florierenden Siebenbürger Sachsen-Dörfern, nur eine Stunde von Sibiu, ehemals Hermannstadt, entfernt, mehrere tausende rumänische Familien, die meisten sind Roma. Nach 1989 sind beinahe alle der seit 900 Jahre ansässigen Sachsen ausgewandert. Viele Häuser verwahrlosen und verfallen, teils sind rumänische Bauern in die Häuser der deutschsprachigen Sachsen gezogen. Bei der letzten Volkszählung 2011 hatte Siebenbürgen eine Einwohnerzahl von 6,8 Millionen, davon waren 0,4 Prozent Deutsche und 3,9 Prozent Roma (Institutul Naţional de Statistică, 2011). An den Ortsrändern haben sich Armutsvierteln gebildet, dort hausen Roma-Familien illegal in kleinen Lehmhütten in bitterster Not. Der Alltag ist ein Überlebenskampf.

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