Nicht darauf vorbereitet


Antoaneta Ghișoiu ist Leiterin der ELIJAH Sozialzentren und des neuen Kinderhauses “Casa Ilie”, sie erinnert sich an die Anfänge von ELIJAH vor zehn Jahren:
„Als ich bei ELIJAH anfing, war ich in der ersten Zeit sehr verschreckt. Ich hatte vorher bei einer großen Bank gearbeitet und hätte nie gedacht, dass es 10 km von der Hauptstadt Sibiu entfernt, solche Armut gibt. Einen Monat lang weinte ich jede Nacht. Im Jänner 2012 habe ich angefangen im Dorf Nou zu arbeiten, vom ersten Tag an auf der Straße. Winter, Kälte, große Armut, nackte Kinder in Räumen ohne Heizung, ohne Essen. Es gab keine Kleidung, keine Betten. Erinnerungen an die Anfänge beschäftigen mich heute noch.
Ich war gar nicht darauf vorbereitet, aber ich habe jeden Tag dazu gelernt, von den Kindern und von Ruth. Ich saß mit ihnen am Tisch, ich habe mit ihnen geputzt, Kaffee getrunken und ihnen zugehört. Ruth war immer an meiner Seite und führte mich. ELIJAH hat nicht nur Gemeinschaften gegründet, ELIJAH hat auch menschlich gebildet. Ich habe mich verändert, weil ich gelernt habe, anders zu lieben. ELIJAH hat mich darauf vorbereitet, wie ich mein Kind erziehen würde, die armen Roma Frauen auf meine Rolle als Ehefrau. Obwohl Ruth der Chef war, arbeitete sie immer neben mir, hob mich auf, wenn ich niederfiel, zeigte mir den Weg, wenn ich nicht weiterwusste, fragte mich, wenn es weh tat.
Ich habe eine große Familie: Meinen Sohn Patrick, meinen Mann Andy und ELIJAH. Nach zehn Jahren wurden aus den Roma Kindern zum Großteil verantwortungsbewusste Erwachsene, einige von ihnen haben Familie und Kinder. Sie bringen jetzt ihre Kinder ins Sozialzentrum. Damals hatten ihre Eltern mit ELIJAH Häuser gebaut. Einige hatten Arbeit und ließen ihre Kinder bei ELIJAH, andere bekamen das Material, um winterfeste Häuser zu bauen. An jede einzelne Familie habe ich viele Erinnerungen. Nicht allen, aber den meisten konnten wir helfen.“