Woher kommt die Kraft?

Ruth Zenkert

Das alles werden sie euch um meines Namens willen antun; denn sie kennen den nicht, der mich gesandt hat.
Joh 15,21

Es zieht in den Oberschenkeln, der Atem wird kurz, mein Pulsmesser zeigt 180. Es gießt in Strömen. Nach der langen Winterpause bin ich nicht gerade gut trainiert. Ich muss alle Kräfte aufbringen, damit ich die steile Strecke schaffe, dann wird es wieder eben. Nur nicht gehen oder gar stehen bleiben. Es ist ein „Sozialmarathon“, bei dem ich mitmache: Die Teilnehmer/innen laufen Kilometer für ein Sozialprojekt, und jeder Schritt bringt eine Spende ein. Natürlich laufe ich für die Kinder im Elijah-Projekt.
Bei jedem Anzeichen von Müdigkeit spornen mich im Geist meine Schützlinge an. Ich denke an Florin, wie er jeden Morgen Ovidiu auf der Lenkstange seines Rades zur Schule fährt. Ohne ihn würde die überforderte Mutter den Buben nicht zum Aufstehen und zum Lernen bringen. Ich denke an Larisa in der Elijah-Musikschule, die schon wunderbar Querflöte spielt. Und an die Kinder in Ziegental, die sich waschen können und lernen, und an ihre Mütter, die bald weben werden. Sie alle treiben mich an, mehr als die aufmunternd pfeifenden Zuschauer am Straßenrand. Sie lassen mich den Regen und die Widerstände überwinden, ja, es macht direkt Vergnügen, für sie zu laufen. Dazu kommt noch mein Ehrgeiz: Neben mir läuft eine etwas ältere Frau im roten Regenmantel – vor ihr möchte ich ins Ziel gelangen. Geschafft.

Wären nicht die Kinder gewesen, die mich „gesandt“ hatten, wäre ich an diesem Tag sicher nicht zum Laufen gegangen. Doch ich kannte die, die mich gesandt hatten, daher kam ich ans Ziel. Schwierig wird es, wenn man den Sendenden nicht kennt oder nicht mag. Daher lebte Jesus zuerst mit allen, die er berufen hatte, in einer Gemeinschaft, sie lernten einander kennen und verstehen. Eine enge Freundschaft entstand. Daraus kam die Kraft für die Sendung. Er gab ihnen große Aufgaben: Sie sollten in seinem Namen Gemeinden gründen und sich für Gerechtigkeit einsetzen. Sie würden auch auf Widerstand stoßen, sagte er ihnen, weil es Leute gebe, die ihn nicht kannten oder mochten. Wenn sie jedoch den Grund der Ablehnung wüssten, würden sie vieles aushalten. Wie Jesus selbst, der wusste, dass er vom Vater gesandt war. So konnte er alle Mauern überspringen und viele auf seinen Weg einladen.

Siebenhundert Jahre zuvor hatte Elijah eine Prophetenschule gegründet. Seine mutige Lebensweise lockte viele an. Ihm gelang es, eine tiefe Freundschaft zu seinen Schülern aufzubauen. So konnte er ihnen die schwierigsten Aufgaben anvertrauen.

Es stärkt und ermutigt, wenn ich den kenne, der mich sendet. Dann verstehe ich, wohin ich laufen muss, und überwinde die Hindernisse. Wenn ich selbst nicht motiviert bin, kann es mir helfen, mich in meinen Vorgesetzten hineinzudenken, um zu verstehen, wozu er mich braucht. Andererseits öffnet es die Augen, zu wissen, dass manche den, der mich sendet, nicht mögen. Dass sie nicht wissen, wer mich motiviert. Wenn ich erzähle, wer oder was mich entflammt hat, kann ich vielleicht sogar Gegner für mein Ziel gewinnen.