Wo die Arbeit zum Glück wird

Ruth Zenkert

Schau auf die Veränderungen, die sich in deinem Leben ergeben. Führen sie dich zu mehr Erfüllung, zu mehr Energie, zu dir selbst?

Gott, der HERR, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.
Gen 2,15

Liebevoll streicht Giorgiana über das lockige Haar von Mirabela. Das Mädchen kann nicht richtig gehen und scheint auch geistig zurückgeblieben. Mirabelas Mutter war nie mit ihr beim Arzt. Das zarte Kind lächelt immer, braucht viel Zuwendung und schenkt mit ihrem Strahlen viel Liebe. Mirabela ist eines von fünfzig Kindern, die jeden Tag in das Sozialzentrum kommen. Die anderen sind laut, kämpfen, streiten, spielen, springen, singen, tanzen, lernen. In dieser wilden Horde würde das Mädchen untergehen. So holt Giorgiana sie von zuhause ab, weil sie nicht allein zum Zentrum gehen könnte, und bringt sie am Abend wieder zurück. Sie sucht einen Arzt, der Mirabela zeigt, wie sie mit Bewegungsübungen ihre Beine stärken kann. Was ist die Ursache der Krankheit, wie können wir das Mädchen fördern? Immer wieder kommt unsere Mitarbeiterin mit Ideen und Wünschen. Das Sozialzentrum ist in ihrer Hand aufgeblüht. Die Kinderzeichnungen an den Wänden, das Lernzimmer, der Garten mit den vielen bunten Blumen, die die Kinder gepflanzt haben und pflegen, die fröhlichen Kinder, die fleißigen Mitarbeiter – alles zeigt den liebevollen Einsatz von Giorgiana.
Vor einiger Zeit hatte ich den Eindruck, dass das Zentrum zu klein würde, und bot ihr ein größeres Gebäude an. Das wollte Giorgiana nicht. „Mehr Platz brauchen wir nicht. Wir sind hier zuhause, schöner kann es nirgends werden.“
Bevor Giorgiana zu uns kam, arbeitete sie in einer Bank. Achtstundentag, ziemlich nüchterne Arbeit mit Akten und Kreditvergabe, ab 16 Uhr Privatleben, Wochenende frei. Jetzt ist ihr Herz voll mit ungelösten Fragen, auch wenn sie daheim ist, ruft sie bei Eltern, Ärzten, Lehrern, Kollegen an, damit ihre Kinder – darunter Mirabela – Hilfe bekommen. Anfangs wollte ihr Mann ihr verbieten, nach der Dienstzeit zu arbeiten, sich am Wochenende für Notfälle einzusetzen. Doch Giorgiana setzte sich durch. Sie weiß, dass sie gebraucht wird – und ist glücklicher als je zuvor.

Für die Leiterin des Sozialzentrums gilt der Satz: „Gott, der HERR, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte.“ Aus einem Job, der sie langweilte, wurde sie weggeholt und in einen Arbeitsbereich versetzt, wo sie zu sich selbst gefunden hat. Hier wird sie gebraucht und kann ihre Begabungen entfalten. Sie hat viel mehr Arbeit als früher und nicht mehr Geld. Jetzt wird ihr viel abverlangt und trotzdem hat sie mehr Energie für ihre Familie. Zuhause und im Beruf ist sie eine gute Hirtin. Sie ist nicht nur fleißig, sondern versteht es auch, mit höchster Achtsamkeit ihre Schützlinge zu behüten. Mit welcher Phantasie schützt sie die Kleinen und holt sie aus dem Lebenskampf in den Garten des Friedens! Giorgianas Glück strahlt aus.

Schau auf die Veränderungen, die sich in deinem Leben ergeben. Führen sie dich zu mehr Erfüllung, zu mehr Energie, zu dir selbst? Deine Berufung gibt dir Heimat, den Wohnsitz im Garten von Eden.