Wie werde ich meine Unsicherheiten los?

Georg Sporschill SJ

Mit welchem Wort kannst du andere an einer Aufgabe beteiligen? Welches Wort hat dich von Unsicherheiten gereinigt und stark gemacht?
Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Joh 15,3

Am Bahnhof in Bukarest schaute mich ein Kind mit großen Augen an und fragte: „Bist du mein Vater?“ Über zwanzig Jahre ist das her. Ich brachte es nicht übers Herz, dem Kind die Wahrheit zu sagen, aber auch nicht, es anzulügen. Doch das Kind ließ mir keine Wahl, weil sein Wort weniger eine Frage als eine Hoffnung war, die nach Bestätigung verlangte. Denisa wollte sagen: „Du bist mein Vater.“ Damals habe ich versagt. Aber dieselbe Frage wurde mir immer wieder gestellt, und so lernte ich zu sagen: „Ja, ich bin dein Vater.“

Heute drehe ich dieses Hin und Her von Worten manchmal um und sage zu Babanuza: „Du bist meine Tochter.“ Sie wurde als Baby von ihren Eltern zurückgelassen, als diese sich trennten. „Die interessieren mich nicht“, sagt Babanuza schroff, wenn man sie nach ihnen fragt. Sie hat damit zu kämpfen, dass sie verlassen wurde. Sie ist ein hübsches Kind, aber nicht einfach. Durch die vielen Verletzungen ist sie sehr unabhängig geworden. In unserer Musikschule fehlt sie oft, obwohl sie sehr begabt ist. Die Lehrer kommen nur mit Mühe mit ihr zurecht. Doch ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sie mehr und mehr in unsere Gemeinschaft finden wird. Und ich spüre einen Mut, der über alles Rechnen und Planen hinausgeht. Wir werden für dieses Kind sorgen, bis es erwachsen ist. Babanuzas Wort hat mich zum Vater gemacht.

Das Wort des Kindes gab mir Kraft, wie das Wort Jesu seinen Schülern Kraft gab. „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.“ „Rein“ hat etwas mit Stärke und Befähigung zu einer großen Aufgabe zu tun. Wer rein ist, kann am Gottesdienst teilnehmen. Rein bedeutet auch, mit der Schöpfung des Lebens im Einklang zu sein. Deshalb ist jemand, der einen Toten berührt, unrein. Er muss ein rituelles Bad nehmen, um wieder rein zu sein. Aus dem Bereich des Todes tritt der Mensch wieder in den Bereich des Lebens. Unrein ist auch eine Frau nach der Geburt eines Kindes oder in den Tagen der Menstruation, weil sie in diesen Zeiten besonderen Schutz braucht. Wenn sie wieder bei Kräften ist, nimmt sie das rituelle Bad und damit auch all ihre Verpflichtungen wieder auf. Sie ist rein. Das entspricht dem hebräischen „koscher“. Nach der Bibel ist das kein moralischer, sondern ein ritueller Begriff. Es bedeutet: Du bist zu den größten Aufgaben befähigt. Das Wort Jesu erfüllt seine Schüler mit Selbstbewusstsein, mit göttlicher Energie.

Die Kinder haben mich mit ihrem Wort rein gemacht, sie haben mich aus meiner Unsicherheit befreit. Jesus war ein Meister des Wortes. Er hat sein Werk aufgebaut, indem er zu seinen Schülern sagte: Ihr seid das Licht der Welt. Damit hat er sie stark gemacht und ihnen zugleich das weite Aufgabenfeld gezeigt.

Mit welchem Wort kannst du Menschen Selbstbewusstsein einflößen, Mut machen? Mit welchem Wort kannst du andere an einer Aufgabe beteiligen? Welches Wort hat dich von Unsicherheiten gereinigt und stark gemacht? Welches Wort führte dich in die Verantwortung?