Wie halten wir die Belastungen der Welt aus?

Georg Sporschill SJ

Bei wem finde ich Frieden? Wo ist der Ort, an dem ich Zuversicht gewinne?

Dies habe ich zu euch gesagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.
Joh 16,33

Wieder ein Behördenbrief, dieses Mal vom Gesundheitsamt. Wir haben schon eine ganze Sammlung davon. Der Nachbar schreibt Beschwerden an alle Ämter, hetzt uns Kontrollen auf den Hals, holt die Polizei. Man kennt ihn, er war schon öfter in der Psychiatrie, auch weil er seine Frau misshandelt. Aber auf eine Anzeige muss man eben reagieren. Die Verfahren wurden bisher wegen Nichtigkeit eingestellt. Die „Lärmbelästigung durch Zigeunerkinder“ wurde als harmlos eingestuft. Das Arbeitsamt fand bei uns keinen Mitarbeiter ohne Vertrag. Trotzdem kosten die Kontrollen und Beweislegungen Zeit, Geld und Nerven. Es ermüdet, sich neben aller Arbeit mit solch sinnlosen Attacken beschäftigen zu müssen. Dann kommt die Nachricht, dass eine gute Sozialarbeiterin einen Job in einer Fabrik in Deutschland gefunden hat und weg will. Wann? Morgen fährt der Bus, sagt sie. Wie kann man von heute auf morgen gehen, wie alle Beziehungen und die Familien hinter sich lassen, frage ich mich. Und wie finden wir so schnell eine Nachfolgerin? – Der Vater von Denisa ist betrunken und prügelt Frau und Kinder, sie fliehen von zuhause. Denisa versteckt sich im Dorf auf einem Dachboden. Manchmal erschlagen mich die Sorgen, wie soll man das aushalten? Am liebsten würde ich dem Nachbarn meine Meinung sagen; ein Glück, dass er mir jetzt nicht unter die Augen kommt. Unzuverlässige Mitarbeiter bringen das Werk ins Wanken. Auf wen können wir hier bauen? Die Familien überfordern uns mit ihren Problemen.

Ich gehe in unser „Rabenhaus“ in Ziegental, dort kommen alle Helfer zum Abendessen zusammen. Iulian bringt Holz aus dem Hof und macht Feuer im Ofen. Gleich wird es warm. Roxi hat aus Mais eine herrliche Mamaliga gekocht, sie schneidet den Schafkäse in Scheiben. Sergiu hat im Garten gearbeitet und übt jetzt noch auf der Klarinette. Ein junger Bursche kommt herein und stellt sich vor: Florin, er möchte hier einziehen und wieder in die Schule gehen. Der Raum füllt sich, wir sitzen um den Tisch. Unsere Gemeinschaft wächst, noch mehr Jugendliche aus dem Dorf wollen kommen. Zu Hause haben sie keinen Platz und keine Zukunft. Angela möchte sie aufnehmen. Sie können in den Werkstätten mitarbeiten. Wo werden sie wohnen? Unsere Betten sind belegt. Bis spät in die Nacht sitzen wir noch zusammen. Das Feuer brennt, nicht nur im Ofen. Wir möchten das Haus hinter der Schule kaufen, um eine Wohngemeinschaft für Burschen zu gründen.

„In der Welt seid ihr in Bedrängnis; aber habt Mut: Ich habe die Welt besiegt.“ Jesus bietet seinen Freunden einen Friedensraum an. Bei ihm finden sie Geborgenheit. Seine Souveränität macht ihnen Mut. Mit der durch diese Gemeinschaft gewonnenen Kraft können sie in die Welt hinausgehen und sie verändern.

Wer einen Ort des Friedens hat, hält die Belastungen aus, die jeder Tag bringt. Bei wem finde ich Frieden? Wo ist der Ort, an dem ich Zuversicht gewinne?