Wie es zum Frieden kommt

Ruth Zenkert

Ein guter Ruf, viel Energie, ein weites Herz – in welcher Charakterisierung findest du dich wieder? Mit welcher Stärke kannst du wirken?

Noach zeugte im Alter von fünfhundert Jahren Sem, Ham und Jafet.
Gen 5,32

 

„Was glaubst du, wie ich ihn verprügelt habe!“, brüstete sich der schmächtige Hundri, als wir mit ihm über seinen ältesten Sohn Traian redeten. Er hob seine Hand und ballte die Faust, nicht gerade Angst einjagend. Wir machten uns große Sorgen, weil die Polizei ein Auge auf den Minderjährigen geworfen hatte. In der Nachbarschaft waren Jugendliche in ein Haus eingebrochen, hatten dort Partys gefeiert und alles verwüstet. Zu stehlen gab es nichts. Allerdings hatte die jugendliche Bande, der sich Traian angeschlossen hatte, schon früher einige Probleme gemacht. Einer der Älteren war vorbestraft. Langeweile, keine Schule, keine Arbeit. Das war der vorgezeichnete Weg. Die Prügel von Hundri, die er seinem Buben wohl nur androhte, halfen nicht. Also suchten wir einen Weg, wie Traian von der Bande loskommen könnte. Pater Georg holte ihn zu einem Gespräch. Traian kam wie ein geprügelter Hund angeschlichen. Statt Strafen und Vorwürfe gab es ein Gespräch über die Zukunft. Was sie gemeinsam unternehmen würden, wozu Traian fähig sei. „Du kannst etwas aus deinem Leben machen, du bist jung, wovon träumst du?“ Traian fühlte sich geehrt und vielleicht das erste Mal als Mensch wahrgenommen. Erhobenen Hauptes verließ er das Haus, ein junger Mann mit ernstem und zielstrebigem Blick.

Der unberechenbare Florin, selbst auf der Straße aufgewachsen, bekam den Auftrag, sich am Abend um Traian zu bemühen. Gute Freunde sollten den Burschen davor bewahren, auf schlechte Ideen zu kommen. Schließlich nahm ihn der Meister der Tischlerei als Lehrling auf. Hier sollte er lernen – Lesen, Schreiben, Pünktlichkeit. Die großen Maschinen faszinierten ihn. Später dürfe er auch an der großen Säge arbeiten, versprach ihm der Meister.

Die ersten Tage sind vergangen; Traian hat gut im Programm mitgemacht. An den Abenden war er bei Florin oder so müde, dass er dem Ruf der alten Freunde nicht mehr folgen konnte. Vielleicht findet er zur Ruhe und geht weiter auf einem guten Weg.

Traian befindet sich an einer Wegkreuzung. Geht er den Weg von Kain oder Noach? Die Linie des Brudermörders Kain endet in der Gewalt. Gott findet eine Alternative, er gibt Adam und Eva noch einen weiteren Sohn: Set, den Setzling. Diese Linie führt zum Frieden, zu Noach, dessen Name Ruhe, Trost bedeutet. Er wird den Fluch zum Segen wenden. Die Namen enthalten eine starke Botschaft. Unser Vers zeichnet mit drei Namen den Weg zum Trost, zu einem erfüllten Leben. Der erste Sohn Noachs heißt Sem. Er hat einen guten Namen, er genießt Ansehen. Der zweite Sohn, Ham, wird mit Wärme oder Hitze charakterisiert, das ist die Ermutigung durch Nähe. Der dritte Sohn, Jafet, wird übersetzt mit „er macht weit“. Er gibt Freiheit, er hat ein weites Herz. Die drei Charaktere zeichnen unterschiedliche Zugänge zur Ruhe. Traian wird alle drei Kräfte brauchen, um seinen Weg in die Zukunft zu finden.

Ein guter Ruf, viel Energie, ein weites Herz – in welcher Charakterisierung findest du dich wieder? Mit welcher Stärke kannst du wirken?