Vom Umgang mit dem Hass

Georg Sporschill SJ

Wo stößt du auf Schwierigkeiten? Wo erfährst du Ablehnung? Es könnte die Bestätigung sein, dass du auf einem guten Weg bist.
Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.
Joh 15,18

Das rumänische Dorf Tichindeal hat gut 200 Einwohner, Roma und Rumänen. Fast alle Rumänen sind alt, die Jungen sind weggezogen. Die Leute arbeiten auf ihren kleinen Höfen, andere Arbeitsplätze gibt es nicht. In der Schule mit vier Jahrgängen und einem Kindergarten sind nur Kinder aus Roma-Familien, die am Rande des Dorfes angesiedelt sind. Die Rumänen-Rumänen werden aussterben, die Roma-Rumänen nehmen zu. Der Kinderreichtum ist ihr einziger Reichtum. Da manche Häuser mitten im Dorf leer stehen und schon verfallen, hatten wir die Idee, ein Haus mit großem Garten zu erwerben und dort zwei Familien mit acht und zehn Kindern anzusiedeln. Die Mütter und Väter leisten in unserem Sozialzentrum gute Arbeit. Ich erzählte Nelu, dem Kaufmann im Dorf, von unserem Plan. Er ist unter den Rumänen-Rumänen einer unserer wenigen Freunde, alle anderen finden uns verrückt oder gefährlich, weil wir zu den Roma halten. Der Kaufmann warnte mich vor dem Projekt. Keine Roma-Familie könne ins Dorf kommen, sie müssten unten am Bach oder oben auf dem Hügel bleiben. In Sorge, ich würde seine Warnung nicht Ernst nehmen, schickte er noch den freundlichen Polizisten aus dem Nachbardorf, um mir zu sagen, unsere Pläne würden einen Sturm auslösen, den wir nicht überstehen würden. So tief ist der Graben zwischen den Bevölkerungsgruppen, solchen Hass ernten wir in unserer Arbeit.

Mich stärkt das Wort Jesu: „Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat.“ Jesus teilt das Schicksal mit den Propheten, die die Bibel kritisch gegen die politischen Herrscher und Mächtigen in Israel auslegten. Jesus pries seine Schüler selig, wenn sie wie die Propheten verfolgt würden. Die Frage ist, wie sie diese zunächst negative Erfahrung verarbeiten. Der Hass anderer trägt eine Botschaft in sich. Wer sich auf die Seite der Schwachen, der Fremden, der Armen, der Sünder und der Kranken stellt, muss wie Jesus mit dem Prophetenschicksal rechnen. Jesus erntete Misstrauen, Ablehnung und den Hass der Führungsschicht, das Volk aber liebte ihn. Gegenwind, Ablehnung bis hin zur Verfolgung sind Formen des Hasses, der offensichtlich wird, wenn wir uns auf die Seite der Unterdrückten und Armen stellen oder wenn wir etwas Neues wagen, das Traditionen bedroht.

Ignatius von Loyola gründete im 16. Jahrhundert eine ganz neue Form von Ordensgemeinschaft, als Alternative zum Kloster. Bald breitete sich der Jesuitenorden weltweit aus. Am Ende seines Lebens sorgte sich Ignatius um seine Gründung. Wenn der Orden nicht verfolgt wird, hat er seine Berufung aufgegeben, soll er die Brüder gewarnt haben. Den Hass der Welt zu spüren, weckt Widerstandskraft. Ich gewinne Selbstbewusstsein und merke, was das innerste Ziel meines Lebens ist, was mich erfüllen kann. Die Bettler in Österreich und die Roma in Ziegental führen uns in eine prophetische Aufgabe.

Wo stößt du auf Schwierigkeiten? Wo erfährst du Ablehnung? Es könnte die Bestätigung sein, dass du auf einem guten Weg bist.