Ungewöhnliche Partnerschaften

Ruth Zenkert

Wo bin ich in die Partnerschaft zwischen Gott und Mensch eingebunden? Mit Ideen für Neues, als Helfer, als Erzieher.

Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.

Gen 1,29

Von Fliegen übersät lag das kleine Mädchen da, in einem Hemdchen mit dem Aufdruck „Papas Liebling“. Vom Papa weit und breit keine Spur. Das Baby war verdreckt, fast leblos lag es auf der verwahrlosten Couch in der Lehmhütte, inmitten von Schmutzwäsche, einer leeren Zigarettenschachtel, Deo-Spray-Dosen, Zeitungspapier, alten Brotkrumen. Die Mutter war seit zwei Tagen verschwunden. Die vier Geschwister hatten uns geholt, weil sie nicht wussten, was sie mit der Kleinen machen sollten. Wir gingen mit ihnen zum Brunnen, die Brüder hüpften in das kalte Becken, aus dem sonst die Kühe trinken, lachend bespritzten sie sich gegenseitig. Das Baby wuschen wir unter dem schwachen Wasserstrahl. Durchfall und Dreckkrusten mussten von der zarten Haut geschrubbt werden. Dann holten wir Brot, Milch und Bananen. Die Buben aßen wie die Holzhacker. Wir sorgten jeden Tag für die Kinder. Nachdem auch in den nächsten Tagen weder Mutter noch Vater aufgetaucht waren, konnten wir mithilfe der Polizei alle fünf in ein Kinderheim in der Nähe bringen. Wenn ich sie besuche, laufen sie mir zum Tor entgegen. Es geht ihnen gut, sie halten zusammen, die Erzieher schauen auf sie. Zu Weihnachten haben die Buben sich ein Fahrrad gewünscht. Eine Freundin hat jedem eines geschenkt. Sie sind glücklich, vielleicht geht es ihnen besser als manchen Kindern im Reichtum.

Als ich in der Hütte das Elend der verlassenen Kinder sah, fragte ich mich: Wie können die Eltern ihre kleinen Kinder einfach sich selber überlassen? Manche fragen, wie kann Gott das zulassen? Hat er nicht gesagt: „Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen“? Wer gibt den Kindern in der elternlosen Hütte Nahrung? Gott schenkt nicht nur Leben, er sorgt auch für Ernährung, in Partnerschaft mit den Eltern, die Mitschöpfer Gottes sind. Bei unserer Familie musste Gott anstelle der Eltern andere Partner finden. Oft erfüllen Großeltern, Freunde, Sozialarbeiter die Aufgabe der Ernährung. Sie ergänzen, was bei den Eltern fehlt. In der Armut mag es Brot sein, im Reichtum kann es Liebe sein; körperliche oder geistige Nahrung.

Verantwortete Elternschaft heißt, Kinder zu zeugen und zu erziehen; ihnen das Leben zu schenken, aber auch für die Erhaltung des Lebens zu sorgen. In unseren verwahrlosten Vierteln freuen sich Mütter und Väter über ihre vielen Kinder, wie man es sonst nicht erlebt. Tests in der Schwangerschaft, um eine Behinderung zu erkennen, oder Abtreibung sind kein Thema. Doch wie können diese Kinder ernährt werden? Unsere Aufgabe ist es, Partner zu sein für die Eltern, für die Kinder, für Gott. In der Hoffnung, dass die Kinder mittels Schule und Ausbildung einmal selbständige Partner Gottes sein können, wenn sie selber Nachwuchs bekommen.

Wo bin ich in die Partnerschaft zwischen Gott und Mensch eingebunden? Mit Ideen für Neues, als Helfer, als Erzieher.