Starke Frauen, nicht nur in der Sozialarbeit

Georg Sporschill SJ

Frauen führen Werke, Frauen halten Familien zusammen, Frauen begleiten dich. Wer hält dir die Treue in der schweren Zeit?

Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.
Joh 19,25

Seit langem drängte uns der Bürgermeister, mit ihm in Nocrich, unserem Nachbardorf, eine Siedlung zu bauen für Familien, die dort unter unvorstellbaren Bedingungen hausen. Wir konnten das nicht tun, weil wir mit unserer Arbeit schon überfordert waren. Außerdem zweifelte ich an seinen Motiven – wollte er es nur, weil die Hütten von der Straße aus sichtbar waren? Ich blockte ab, bis ich selbst einmal dort war. Unzählige wilde Hunde verwehrten mir zunächst den Zutritt, bis eine Mutter sie wegjagte und mich durch das verwahrlostes Viertel führte. Ein alter Schrank diente als „WC“. Wozu überall die verrosteten Satellitenschüsseln, wo doch keiner Strom hatte? Ein Mädchen wusch Babykleidung in einem Kübel mit Regenwasser, ohne Seife. Wieder einmal verschlug es mir den Atem. Und so haben wir zu bauen begonnen. Die erste Hütte wurde abgetragen und mit Hilfe der Männer und unserer Bautruppe durch ein Haus aus Ziegeln ersetzt. Der Bürgermeister ließ eine Wasser- und eine Stromleitung ins Viertel legen. Damit war für die Männer das Problem erledigt, und sie dachten schon an neue Projekte. Die Mutter aber zog mich wieder am Ärmel durch das Viertel, das noch Baustelle war, und bedrängte mich mit Bitten. „Lass uns nicht im Stich! Unser Problem ist nicht gelöst mit den Häusern. Wir brauchen Arbeit, die Kinder sind krank, sieben sind mit Hepatitis im Spital, die Mädchen können nicht kochen.“ Also planen wir zusätzlich ein Sozialzentrum in der Mitte der Siedlung. Nur – wer soll dort arbeiten? Niemand will zu den Zigeunern, wo ansteckende Krankheiten drohen, und wer weiß, wie gefährlich sie sind? Ich machte mich auf die Suche. Ana, die im Garten mitarbeitet, hörte meine Fragen – und brach in Tränen aus. „Das ist ein Ruf von Gott. Weißt du, dass ich dort aufgewachsen bin? Wir haben hinter dieser Zigeunersiedlung gewohnt. Uns ging es gut, doch wir sahen jeden Tag diese armen Leute. Wenn sie zum Betteln kamen, haben sie was bekommen. Aber keiner ging hin. Ich frage meine Schwester, sie wird uns helfen.“ Maria, ihre Schwester, wird den Job als Näherin aufgeben. Sie steht den Familien im Zigeunerviertel bei und bringt ihnen, was notwendig ist, Waschpulver, Medikamente, Kleidung für die Kinder. Bald ist das Sozialzentrum fertig, dann wird sie im Waschhaus die Kinder baden.

Frauen in der Sozialarbeit: Hier ist ihre Stärke nicht zu übersehen. Nicht nur, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine tüchtige Frau stehe, wie man sagt. Die Frauen führen und sind da, wenn die Männer überfordert sind. Wie Ana und Maria in der Roma-Siedlung. „Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.“ Vier Frauen. Zuerst Maria, die Mutter Jesu, und schließlich Maria von Magdala, die Freundin Jesu, er hatte ihre Seele geheilt.

Frauen führen Werke, Frauen halten Familien zusammen, Frauen begleiten dich. Wer hält dir die Treue in der schweren Zeit?