Spielen, Basteln, Kochen – Orte der Begegnung

Max Heine-Geldern SJ

Gott wagt sich in die Lebenswelt der Menschen. Er vertraut auf die heilsame Kraft von Beziehung.

Warum fragst du mich? Frag doch die, die mich gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; sie wissen, was ich geredet habe.

Joh 18,21

„Es gibt doch so viele wichtige Themen! Syrienkrise, Flüchtlinge, Klimaerwärmung! Was macht ihr eigentlich bei euch?“ schallte mir die aufgebrachte Stimme einer Mutter durchs Telefon entgegen. Seit gut zweieinhalb Jahren bin ich Leiter eines Jugendzentrums in Innsbruck. Über 200 junge Menschen verbringen hier ihre Freizeit. Wöchentlich treffen sie sich in Gruppen, die von Jugendlichen geleitet werden. Was sie in ihren Gruppenstunden machen? Spielen, Basteln, Kochen – nichts Besonderes, gerade in Anbetracht der großen Herausforderungen unserer Zeit. Die Frage der Mutter weckte in mir eigene Bedenken, war ich doch selbst mit einem Koffer voller Themen und Pläne für Workshops nach Innsbruck angereist. Doch die Begegnung mit den Jugendlichen lehrte mich umzudenken. Ich begann den Leistungsdruck, unter dem sie stehen, zu spüren und erfand meine Aufgabe neu: Freiraum für Begegnungen zu schaffen. Das heißt konkret, miteinander zu spielen, zu basteln und zu kochen. In verteidigenden Worten wirkt dieses Angebot nicht sehr attraktiv. Man muss es aus dem Mund der Jugendlichen selbst hören und erleben. Dazu ermutigen wir mit unserem Motto: „Komm & Schau“.

Mit denselben Worten lädt Jesus seine ersten Jünger ein, ihm zu folgen. Sie erleben, wie er auf Menschen zugeht, um Begegnungsräume zu schaffen. In dem Moment etwa, wo viele Menschen Jesus begeistert zujubeln, badet er nicht in der Menge, sondern sucht mit seinem Blick den Rand ab. Dort sieht er Zachäus, den verhassten Zöllner, im Baum sitzen. Jeder im Dorf weiß von seinen Betrügereien. Gerade auf diesen Outsider geht Jesus zu. „Endlich werden diesem Kollaborateur die Leviten gelesen!“ mag sich der eine oder andere gedacht haben. Doch anstatt dem Mann vorzuhalten, was er alles zu ändern habe, will der umjubelte Star bei ihm Gast sein. Ohne ihn zu verurteilen, taucht Jesus in die Lebenswelt dieses Menschen ein. Er sucht Beziehung mit ihm, im Vertrauen auf ihre heilsame Kraft. Durch diese demütige Begegnung wächst der kleine Mann über sich hinaus. Sein Herz weitet sich, und er beginnt seinen Reichtum überschwänglich zu verschenken.

Einen ganz anderen Geschmack hat die Begegnung zwischen dem Hohepriester Hannas und dem gefesselten Jesu. Es ist ein Verhör. Meinungen sind festgefahren. Nun wird verurteilt. Die Bereitschaft zur Begegnung fehlt. Jedes verteidigende Wort von Jesus wäre abgeprallt. Es bleibt nur noch das Zeugnis jener Menschen, die ihn erlebt haben, wie die Jünger oder Zachäus. Vielleicht ist die Antwort eine Einladung an Hannas, seinen Richterstuhl zu verlassen und sich auf die Lebenswelt dieser Zeugen einzulassen.

Spielen, Basteln, Kochen haben meinen Themenkoffer entrümpelt. Mit weniger Gepäck kann ich leichter in die Lebenswelt der Jugendlichen eintauchen. Dabei wird spürbar, wie sich gegenseitige Vorurteile lösen und stärkende Beziehungen entstehen.

Wo sind für mich Orte der Begegnung? Von welchen Beziehungen erzähle ich gerne?