Scheiden – Trennen – Ordnen

Josef Steiner

„Nichts kann existieren ohne Ordnung.“ (Albert Einstein) Was ordnet mein Leben? Wo haben mir Trennung und Scheidung geholfen?

Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes.

Gen 1,6f

Rabbi Seew Wolf von Zbaraz war in seinen jungen Jahren ein wilder und schwer erziehbarer Junge, der seinem Vater, Rabbi Jechiel Michal, große Sorgen bereitete und ihn oft zur Verzweiflung brachte. Wie weit seine Wildheit und Abenteuerlust reichten, ist aus seinem späteren Verhalten zu erahnen. Wenn er ein großes Herz zeigte für Männer, die nächtelang Karten spielten und so die Nacht zum Tag machten. Wenn er Dieben, die nachts in sein Haus eindrangen und wertvolle Sachen stahlen, nachrief: Ich gebe all meinen Besitz frei!, um Schuld von ihnen zu nehmen. Wenn er bei seinen für alle offenen Gastmählern und Vorträgen ungebildeten, ungehobelten und ihn provozierenden Zuhörern anders als seine Schüler Verständnis entgegenbrachte. All das zeigt, dass ihm diese Welten aus eigenem Erleben nicht fremd waren.

Von diesem lebenslustigen und schwierigen Sohn hat Martin Buber in seinen Chassidischen Erzählungen folgende entscheidende Situation festgehalten. Mit dreizehn Jahren stand für den Jungen die Bar Mizwa an, eine unserer Firmung vergleichbare Feier, in der der Dreizehnjährige ein „Sohn der Pflicht“ wird und die selbständige Verantwortung für die Erfüllung des Willens Gottes für sein Leben übernimmt. Er wird erwachsen. Zum äußeren Zeichen bindet der junge Mensch auf die Stirn und auf den linken Oberarm, dem Herzen ganz nahe, zwei kleine Kapseln (Teffilin genannt), in denen biblische Worte stehen, zusammengefasst: „Du wirst Gott lieben mit ganzem Herzen.“ „Der Vater befahl dem Schreiber, ihm die beiden noch leeren Gehäuse samt den Schriftversen zu bringen. Der Schreiber brachte sie ihm. Rabbi Michal nahm die Gehäuse in die Hand und betrachtete sie lange geneigten Hauptes, und seine Tränen ergossen sich darüber. Dann trocknete er die Gehäuse und legte die Schriftworte hinein. Von der Stunde an, da der Knabe Wolf die Teffilin zum ersten Mal anlegte, wurde er still und liebreich.“ Gottes Worte, getränkt mit den Tränen des Vaters, brachten Ausrichtung und Ordnung in das Leben des jungen Menschen. Die Vergangenheit blieb wichtig, die Zukunft eröffnete Neues.

Mit der Erschaffung des Lichtes hat Gott in die Finsternis der Urflut Helligkeit, Durchblick und Orientierung gebracht. Nun gilt es, die Wassermassen, das Grundelement allen Lebens, zu bändigen, damit sie nicht Chaos und Zerstörung bringen, sondern Lebensräume des Wachsens und der Entfaltung eröffnen. Die Bibel verwendet dafür ein uns fremdes Bild. Gott hämmert wie ein Schmied etwas Festes, etwas Gewelltes, etwas Gewölbtes, das er zwischen die Wassermassen schiebt. So scheidet er die Wasser von oben und unten und beide werden Leben spendende Quellen. Die Wasser oberhalb wie Regen, Schnee, Frost, Reif, Tau. Die Wasser unten wie Flüsse, Meere, Bäche, Grundwasser. Getrennt und geschieden werden sie fruchtbar. Geregeltes Leben im Universum, dauerhaft und sicher.

Was ordnet mein Leben? Wo haben mir Trennung und Scheidung geholfen?