Out of the box

Max Heine-Geldern SJ

Welche Anweisungen haben meine Vorstellungen gesprengt? Welcher Raum schenkt mir Schutz und Heil?

Mach der Arche ein Dach und hebe es genau um eine Elle nach oben an! Den Eingang der Arche bring an der Seite an! Richte ein unteres, ein zweites und ein drittes Stockwerk ein!
Gen 6,16

 

In der Kirche ist es stockdunkel. Monotone Schläge hallen, kleine Lichter gehen an. Sechs kleine Bühnen im Kirchenraum werden grell bestrahlt. Auf Baugerüsten bewegen sich jugendliche Tänzer auf mehreren Ebenen motorisch zum Takt der nun einsetzenden Musik. Die Performance „Intimität mit Gott“ (https://www.youtube.com/watch?v=lsO8Py3KSA4) fragt im ersten Akt, wo im alltäglichen Getriebe, im Ringen um Erfolg, Ansehen und Sicherheit Gott eine Rolle spielt. Sie ist der dritte Teil der Trilogie „Intimität“. Handelten „Schicht für Schicht“ von den Schichten der eigenen Persönlichkeit und „Intimität und Beziehung“ vom Ringen zwischen Trieb und Askese und Hingabe an den anderen, geht es nun um die persönliche Beziehung zu Gott. So zieht sich durch die Trilogie das Hauptgebot: Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Sich selbst und den anderen zu lieben war für die knapp vierzig jungen Protagonisten fassbar. Aber mit Gott eine intime Beziehung zu führen und das noch tänzerisch auf die Bühne zu bringen, schien schier unmöglich. Allein die positiven Erfahrungen der ersten beiden Tanzaufführungen schenkten den Jugendlichen genügend Vertrauen in das Projekt, um ihre Vorbehalte zu überwinden.
Doch wie sollte man in das Thema hineinfinden? Statt eines Austausches unter den Jugendlichen über ihren Glauben wurden sie mit biblischen Texten konfrontiert. Diese erzählten von Beziehungen mit Gott, auch wenn Art und Weise für die jungen Hörer befremdlich wirken mochten. In Kleingruppen aufgeteilt, sollten sie in eine der Szenen eintauchen und sie tänzerisch interpretieren. Die ersten Darstellungen bewiesen auch Kreativität, doch blieben sie an der Oberfläche hängen. Sie spielten mehr die Szene nach, als dass sie deren inneren Botschaft in Ausdruckstanz übersetzten. Trotz innerer Widerstände ließen sie sich auf einen zweiten Anlauf ein. Und ihre Umsetzungen waren wunderbar. Plötzlich erhielten die Anweisungen für sie Sinn.

Wie mögen Gottes Anweisungen für Noach gewirkt haben? Er war weder Bootsbauer noch Seemann und sollte mitten auf dem Land einen schwimmenden Holzkasten errichten. Dessen Maße allein waren eine Überforderung. Wie Georg Fischer SJ in seinem Genesis-Kommentar schreibt, finden sich in den Bauangaben zahlreiche Bezüge auf das Zelt der Begegnung und den Tempel, was eine innere Beziehung zwischen der „Arche“ und Gottes Heiligtum nahelegt. In der Tora sind es die einzigen beiden beschriebenen Bauwerke. Sie dienen dem Schutz und Heil des Menschen, der sich auf die Beziehung mit Gott einlässt.

Viele der von den Jugendlichen entwickelten Bewegungen flossen in die finale Aufführung ein, die sich im zweiten Akt um die Frage drehte, was Gott tun müsste, damit ich mich auf seine Anweisungen einlassen würde. Um sich schließlich im dritten Akt zur Erkenntnis durchzuringen, dass ein Einlassen auf sein Wort mich für seine Gegenwart öffnet, die in mir und im Nächsten wohnt. Der Verkündung dieses Geheimnisses diente der Kirchenraum, in dem am Ende der Performance selbst die Zuschauer zu Tanzenden wurden. Ein heilsam freudiges Kirchenbild.