Hoffnungsträger

Ruth Zenkert

Wo sehe ich fruchtbaren Boden, Samen, der schon keimt? Wo braucht es meine Zuwendung? Wo lohnt sich der Einsatz?

Gott, Der HERR, hatte es auf die Erde noch nicht regnen lassen und es gab noch keinen Menschen, der den Erdboden bearbeitet, aber Feuchtigkeit stieg aus der Erde auf und tränkte die ganze Fläche des Erdbodens.
Gen 2,5-7

Mitarbeiter gesucht! Für unser Schülerheim brauchten wir eine Leitung, die es verstand, Jugendliche vom Dorf, die in die große Stadt kamen, zu betreuen. Ich dachte an einen Freund, dem ich das zutraute. Matei mag besonders die Schwierigen, weiß sie zu bändigen, mit Humor zu nehmen. Sie vertrauen sich ihm an, und er zeigt ihnen Respekt, wenn er sie mit „Meister“ oder „Amerikaner“ anredet, zwei Titel, die in Rumänien begehrt sind. Viele der Schützlinge sind mit ihm in Verbindung, auch wenn sie schon selbständig ihren Weg gehen.
So fragte ich Matei, ob er zu uns kommen wolle. Er fand das Angebot verlockend, denn sein jetziger Job biete ihm keine Entwicklung. Eine Kollegin habe er so aufgebaut, dass sie ihn leicht ersetzen könne. Er suche eine Aufgabe, an der er wieder wachse. Matei kam zum Gespräch. Als wir miteinander redeten, läutete ständig sein Telefon. Viel Administratives, das ihn langweilte. Ein Jugendlicher sagte, er müsse heute einen Arbeitsvertrag vorlegen, sonst müsse er zurück ins Gefängnis. Matei telefonierte mit einer Reinigungsfirma, mit dem Richter, mit dem hilflosen Schützling. Dann wies er ihn noch ausführlich an, wie er den Weg zum richtigen Beamten finde, um die Arbeitsbestätigung abzugeben. Und den Beamten informierte er, dass der Bursche schon unterwegs sei. Mit welcher Hingabe er sich ums letzte Detail kümmerte! Seine Nähe zu dem Schützling und sein Erfolg bei der scheinbar unmöglichen Aufgabe überzeugten mich noch mehr, dass Matei der richtige Kandidat für unser Schülerheim war. Auch ihm gefiel die neue Aufgabe, bei der er wieder näher bei den Menschen sei und Neues aufbauen könne. Bei der Frage allerdings, wann er anfangen könne, zeigten sich Hindernisse: seine Familie, die Wohnung und die Schützlinge, von denen er sich doch schwer trennte. Wie kann ich Matei gewinnen?

Ich muss weiter werben, bis ich in meinem Wunschkandidaten die Kraft erwecke, sich für die Schüler einzusetzen, die seine Begleitung brauchen. Wenn er sie kennenlernt, wird er vielleicht den Sprung wagen und aufbrechen – und seine Arbeit der Kollegin übergeben. Ich musste an den Rat eines Unternehmers denken: Mit jemandem, den er als Führungskraft haben möchte, sucht er oft ein Jahr und länger die Nähe, bis er sich sicher ist, dass derjenige der Richtige ist.

Wie gute Kandidaten bedürfen auch die Pflanzen, die Gott nach der ersten Schöpfungserzählung schon geschaffen hat, der Pflege durch den Menschen. Gott sucht die Mitarbeit des Menschen, damit aus der Erde ein Garten wird. Die zweite Schöpfungserzählung beschreibt, wie alles schon da ist, in den Wurzeln, aber noch nicht entfaltet. Der Mensch bringt nun Dynamik in die Welt. Er arbeitet auf dem Feld und bittet um Regen, um den Segen des Himmels. Dann erst wachsen die Feldsträucher und Feldpflanzen. So werde ich die Freundschaft mit Matei pflegen und für ihn um Mut beten, seiner Berufung zu folgen.

Hoffnungsträger. Wo sehe ich fruchtbaren Boden, Samen, der schon keimt? Wo braucht es meine Zuwendung? Wo lohnt sich der Einsatz?