Guten Appetit – mit Respekt vor dem Schwein

Ruth Zenkert

Wie achten wir das Leben der Tiere, von denen wir uns ernähren?

Gott segnete die Tiere und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag.

Gen 1,22-23

Liebevoll streicht Bogdan über sein kräftiges, großes graues Pferd. Er ist stolz auf seinen Freund, träumt doch jeder Bub im Dorf davon, ein Pferd zu haben. Er ordnet die Mähne, löst Schmutz heraus und prüft die Hufe. Dann versucht er dem Pferd eine Decke überzuwerfen. Nicht leicht, denn die Decke ist schwer, immer wieder rutscht sie vom Rücken des Tieres. Endlich ist es geschafft. Bogdan redet auf seinen Freund ein, lobt ihn. Das Pferd neigt den Kopf und genießt die Zuwendung. Es bekommt Zucker und Gras. Dann schwingt sich Bogdan auf seinen Rücken. Am kräftigen Hals kann sich der Bub festhalten, die Decke muss als Sattel dienen. Bogdan nimmt die Zügel, zieht nach rechts und gibt einen schnurrenden Laut von sich. Schon setzt sich das Tier in Bewegung, zunächst langsam, dann galoppiert es über die Dorfstraße. Eine Staubwolke bleibt. Wenig später rast es um die nächste Ecke, gefolgt von einem zweiten Pferd mit jungem Reiter. Die Burschen machen ein Wettrennen. Katzen, Hunde und alte Mütterlein springen zur Seite. Dann parken die Burschen ihre Pferde vor dem großen Strohhaufen. Wieder werden die Tiere gestreichelt, geputzt, begutachtet.

Bogdan liebt sein Pferd. So wie Gott die Tiere liebt. Als Gott zum ersten Mal zu seiner Schöpfung spricht, segnet er die Tiere, sie erhalten seine ganz besondere Zuwendung. Die Pflanzen wurden nicht gesegnet, denn sie erzeugen nur unbewusst Samen und Früchte, ihr Wachstum hängt von Sonne und Regen ab. Tiere hingegen gesellen sich zur Fortpflanzung zusammen. So segnet Gott mit seinem Wort die Gemeinschaft: „Seid fruchtbar und mehrt euch!“ Das bedeutet: Sie sollen sich nicht nur fortsetzen, sondern mehr werden. Das ist notwendig, weil der Mensch sich an den Tieren bedient und ihre Anzahl vermindert. Er fängt, tötet und isst sie: So deuten die jüdischen Rabbiner die doppelte Aufforderung Gottes.

Gott vertraut dem Menschen die Tiere an und erlaubt ihm, davon zu essen. Dieser wiederum muss den von Gott gesegneten Wesen Respekt und Ehrfurcht entgegenbringen und so auf den Segen antworten. Es beginnt damit, den Tieren ein artgerechtes Leben zu ermöglichen. Sie nicht in Ställen zusammenzupferchen, um schnell Fleisch für den Teller zu produzieren. Auch beim Essen um das Leben und den Wert des von Gott geschaffenen Tieres zu wissen. Ein befreundeter Buddhist saß mit uns am Tisch und betrachtete sein Gulasch. Sein „Gebet“ lautete: Liebes Schwein, ich entschuldige mich, dass du wegen mir sterben musstest. Danke für dein Leben und die gute Speise, mit der du mich stärkst. – Vielleicht ist das eine Anregung, wie man auf die lebenden Tiere schauen könnte. Müssen wir jedes Insekt, das uns stört, töten? Wie gehen wir um mit den Tieren, die Gott selbst anspricht? Sie, die ihm so nahe sind, vertraut er uns an. Geben wir ihnen genügend Lebensraum?

Achten wir das Leben der Tiere, von denen wir uns ernähren? Segnen wir die Tiere?

Guten Appetit – mit Respekt vor dem Schwein!