Göttlicher Rhythmus – sechs mal machen, einmal aufhören

Ruth Zenkert

Wie halten wir es mit dem Sonntag? Womit hören wir auf, um am Montag mit neuer Kraft anzufangen?

Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Gen 2,2

Auf der einen Seite lautes Jubelgeschrei und Luftsprünge, auf der anderen ein enttäuschtes „Nu se poate!“ Das kann doch nicht wahr sein! Angi knallte ihren Schläger so fest auf die Tischtennisplatte, dass fast der Griff absprang. Das Match war so spannend, dass alle anderen von ihren Spielen abgelassen und zugeschaut hatten. In den Runden davor hatten sie gekämpft, um möglichst in die Endrunde zu kommen. Sieger des Abends war Bogdan, der jüngste Lehrling in der Tischlerei. Als Anfänger und klein von Statur musste er sich in der Arbeit immer beweisen, meistens musste er die Laufdienste und lästigen Aufträge erledigen. Heute Abend aber war er der Gewinner, den alle bewunderten. Angi forderte Revanche, die würde es nächste Woche geben. Dann würde Bogdan zeigen, ob er unschlagbar war. Nun saßen sie noch zusammen, hörten laute Musik, tanzten, vergnügten sich, bis es Mitternacht war.

Jeden Freitagabend, nach einer anstrengenden Arbeitswoche, öffnet der „Club E“ seine Tore. In Hosman, einem abgelegenen Dorf, gibt es keine Möglichkeit, sich am Abend zu treffen, außer in der Dorfbar, wo schon zu Mittag alle betrunken sind. Zunächst war es eine Idee der ausländischen Volontäre, die bei uns leben. Wie sollten sie das Wochenende verbringen? Mit Tischfußball begann es. Dann kamen immer mehr Jugendliche und Freunde aus dem Dorf dazu. Wir stellten ihnen einen Raum zur Verfügung, dann noch einen. Inzwischen ist das Freitagabendtreffen zum Club geworden, in dem unsere Lehrlinge, die Jugendlichen im Dorf, die Volontäre und die Mitarbeiter zusammenkommen. Angi ist die Chefin für die Mädchen im Garten, am Freitagabend ist sie mit ihren Schützlingen im Club. Dann lassen sie ihre Pflänzchen in Ruhe wachsen; jetzt geht es um die Freude, miteinander zu sein, Freundschaft zu leben, sich im Spiel zu messen. Keiner mehr ist müde, im Gegenteil, durch die Begegnungen im Club E wachsen Energien für die Arbeit der nächsten Woche.

Es ist wichtig, einmal mit der Arbeit aufzuhören, um sich auszuruhen. Gott hat das nicht nötig, aber er gönnt uns die Ruhe, weil wir sie brauchen. Um wieder neu anzufangen, weiterzumachen. In der Schöpfungsordnung gibt Gott dem Menschen das Modell dafür vor, wenn es heißt: „Er hörte auf am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte“ (Übers. G. Fischer). Aufhören wird als aktives Handeln Gottes dargestellt. Für uns bedeutet es auch, anderen Verantwortung zu übergeben, zu rechnen mit der Mitarbeit von anderen und mit der Gnade Gottes, nicht nur mit dem eigenen Machen. Ich darf ruhen, obwohl noch viel zu tun bleibt. Sechs Tage machen und einen Tag aufhören: Diesen Rhythmus schenkt uns Gott mit dem siebten Tag. Daraus wurde der Schabbat, an dem die Regeln für den Menschen praktisch ausformuliert wurden. Für uns in Hosman beginnt er am Freitagabend in unserem Jugendclub.

Wie halten wir es mit dem Sonntag? Womit hören wir auf, um am Montag mit neuer Kraft anzufangen?