Gelungene Partnerschaft

Josef Steiner

Wenn zwei Starke zusammenarbeiten, entsteht Großes

Als sich die Menschen auf Erden zu vermehren begannen und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und sie nahmen sich von ihnen alle Frauen, die sie auswählten.
Gen 6,1-2

 

Es waren drei besondere Jahre der Lebensschule. Jeden Montag durfte ich am frühen Nachmittag die Gastfreundschaft einer wunderbaren Familie genießen. Begrüßt von dem wachsamen Hund, dessen Zuneigung ich spielerisch durch angedeutete Fußballkünste mit einem Tennisball gewann, und erwartet von einem Ehepaar mit drei Kindern an einem liebevoll gedeckten Tisch zum späten Mittagsmahl. Die Frau mit einem gewinnenden Aussehen, eine natürliche Schönheit, nichts Aufgetragenes und Künstliches. Beschenkt und geprägt von einer großen Tradition, die ein Menschenbild der Verantwortung und Bildung in die Mitte stellt und so zu Selbstbewusstsein, Stärke und Bescheidenheit führt. Ausgestattet mit einem Gespür für Ästhetik, Formen und Farben – unvergessen die Einkaufspaziergänge in der Outlet-Welt von Parndorf! Im Innern getrieben von einer tiefen Sehnsucht nach Leben gestaltender Spiritualität und lebendigem Glauben, die sich in Exerzitien und Fortbildungen niederschlägt. Einfühlsam, klar und mutig in ihrer Einschätzung von Menschen und Beziehungen. Eine gefühlvolle und starke Frau.

An ihrer Seite und ihr gegenüber der Mann, Rechtsanwalt, der internationale Firmen und Kapitalmärkte berät, Manager und Verwalter eines großen Betriebes und familiären Besitzes. Ein Mann – ich kann es nur mit biblischen Bildern ausdrücken – mit reinem Herzen, ein wahrer Mensch, an dem kein Falsch ist. Weder Hintergedanken und Nebenabsichten, weder Intrigen noch Machtspiele bestimmen sein Wesen, seine Beziehungen und sein Arbeiten. Immer ausgleichend, versöhnlich, zusammenführend. Dazu ein großer Sportler und Bergsteiger – unvergessen, wie er auf dem Gipfel des Großvenedigers für die gesamte Gruppe Bierdosen aus seinem Rucksack zauberte -, ein gefragter Polospieler und ab und zu mit einer Motorradclique durch die weite Welt brausend. Ein unternehmungslustiger und starker Mann. Zwei Persönlichkeiten, die ihre Beziehung als Lebensform gestalten, in der sie füreinander Sorge tragen, miteinander Verantwortung übernehmen, voreinander Respekt haben und voneinander lernen.

Die Frucht einer so lebendigen Beziehung spiegelt sich in ihren Kindern wider. Erzogen in einer Atmosphäre der Wärme und Sicherheit, des Vertrauens und der Freiheit, wuchsen selbständige, bescheidene, frohe und dankbare Kinder heran. Ein Familiennetz, das mir zur Heimat wurde.

Die Bibel schildert in der Schöpfungsgeschichte den Menschen als Mann und Frau, die sich partnerschaftlich und solidarisch begegnen. Wo es um die Weitergabe des Lebens geht, wird diese Differenzierung an zeugungsfähigen Söhnen und Töchtern festgemacht. In der patriarchalischen biblischen Sprache werden bei den Söhnen Abstammung – Gottessöhne, Söhne von Herren, von Großen, von Vornehmen – und Stärke, Macht, Rolle und Aufgabe betont. Bei den Töchtern hingegen Aussehen und Begabungen – das hebräische Wort bedeutet „gut, vortrefflich, angenehm, lieblich, gütig, freundlich, fröhlich“, also eine sehr tiefe Dimension von Schönheit. Wenn zwei Starke zusammenarbeiten, entstehen große Kinder, die Bibel nennt sie „Riesen“.