Geld oder Stolz

Ruth Zenkert

Auf welche Gedanken bringt dich deine Leistung? Wie gehst du mit dem Wachstum um? Wie reagierst du auf deinen Erfolg?

Nach einiger Zeit brachte Kain dem HERRN eine Gabe von den Früchten des Erdbodens dar.
Gen 4,3

Wochenlang kämpfte Iova darum, mit ihren vier Kindern ein Haus von uns zu bekommen. Sie hatten in einer Baracke am Dorfeingang gewohnt; ein Teil war abgebrannt, beim Kochen hatte die Wand Feuer gefangen. Iova konnte tatsächlich in ein Elijah-Haus einziehen, allerdings stellten wir eine Bedingung: Sie sollte im Sozialzentrum mitarbeiten. Auf diese Weise hätte sie ein kleines Einkommen, ihre Kinder kämen mit ihr, würden gewaschen, lernten und sollten dann in die Schule gehen. Iova war einverstanden. Pünktlich kam sie zum Dienst. Sie duschte die vielen Kinder, räumte auf, putzte, teilte das Mittagessen aus. Als Roma-Frau war sie im Kreis der wilden Schützlinge geschätzt. Sie folgten ihr, mehr als den studierten Sozialarbeitern. Doch es war ihr nicht genug, zu waschen und zu putzen. Ihre große Freude war es, mit den Kindern zu tanzen. Florin organisierte die Musik, es wuchs eine Gruppe von Tänzern heran, die diese feurigen Bewegungen mit Begeisterung lernten. Bald waren sie gut genug für eine Aufführung im Sozialzentrum. Iova und ihr kleiner Sohn Novac waren die Vortänzer, die Mädchen ahmten sie nach. Sie bekamen viel Beifall und Lob. Iova strahlte, dann kam sie zu mir, mit hartem Gesicht: Dafür will ich mehr Geld! Mir verschlug es den Atem. „Du hast ein Haus bekommen, eine Anstellung, alles, was ihr braucht, und jetzt willst du noch mehr Geld? Wir machen Schluss und ihr zieht wieder um in eure Baracke!“, sagte ich wütend und ging. Gegen meine Vermutung kam sie am nächsten Tag wieder zur Arbeit und machte alles so gut wie bisher. Ich ließ sie links liegen. Dann kamen Freunde zu Besuch, Iova deutete, sie wolle mit den Kindern zeigen, was sie Neues gelernt hätten. Ich wollte mich abwenden, damit sie nicht wieder bettelte. Aber sie drängte zu mir. „Danke, es geht uns so gut! Und das Tanzen, das liegt uns im Blut, ein Geschenk vom lieben Gott.“ Dann umarmte sie mich.

Das Tanzen ist Iovas Feld, hier wachsen die Früchte ihrer Arbeit. Gäste bewunderten ihre Kinder und Schüler, das machte sie stolz. Dieses Mal war sie nicht die Bettlerin, der wir ein Haus schenken sollten, sondern sie brachte uns mit ihrem Können zum Staunen. Es brauchte einige Zeit, bis nicht mehr das Geld, sondern ihr Können sie dankbar machte. Wie Kain, der am Ende der Ernte nicht mehr daran dachte, wie er im Schweiße seines Angesichts den Ackerboden bearbeitet hatte. Er war so glücklich über die Früchte, die in seinem Feld gewachsen waren, dass er davon dem Herrn eine Gabe bringen musste. Sein Herz hatte ihn zum Opfer gedrängt und zur Ahnung, wem er die Früchte zu verdanken hatte. Wie Kain durch die Früchte hat Iova durch ihren Erfolg zu sich gefunden. Viele andere führt der Erfolg in die Irre. Sie sehen das Wunder nicht und brauchen Gott nicht mehr.

„Nach einiger Zeit“ – am Ende des Tages, am Ende des Jahres – darfst du sehen, was gelungen ist, was gewachsen ist. Auf welche Gedanken bringt dich deine Leistung? Wie gehst du mit dem Wachstum um? Wie reagierst du auf deinen Erfolg?