Es kommt der Zeitpunkt, wo du über Konflikte lachen kannst

Georg Sporschill SJ

Stunden der Sorge, Stunden der Trennung, Stunden der Freude. Stunden der Menschwerdung.

Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.
Joh 16,21

„Keiner ist allein in dieser wunderbaren Nacht“: So lautet der Refrain eines rumänischen Weihnachtslieds, das mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Ein musikalischer Ohrwurm, mir ist er zum Gebet geworden. Ich vergesse auch nicht, wie zwei junge Roma, Ali und Florin, ihn gesungen haben, als Überraschung bei unserem Weihnachtskonzert. Dieses nämlich hatte ich innerlich schon aufgegeben. Geplant war, dass die Lehrer mit den Schülern Stücke einüben würden und dass Ali mit Jugendlichen einige Lieder singen sollte. Fünf Tage vor dem Konzert wollten wir den Ablauf besprechen — ein einziges Chaos. Die Geiger hatten die Noten nicht bekommen, einer der Lehrer war nicht da, und bei der Generalprobe fehlte die Hälfte der Schüler. Ali hatte sich mit seinen Leuten zerstritten, sie weigerten sich, miteinander zu reden, geschweige denn zu singen. Zuerst kämpfte ich noch um den Frieden, dann verließ ich verzweifelt die Runde. Die Schwierigkeiten waren nicht zu überwinden. Dann würde es eben kein Konzert geben. Es war eine dunkle Stunde. Ich zweifelte, ob aus dem Herzstück unseres Projekts mit Roma in Siebenbürgen, aus der Musikschule, etwas werden würde. Und dabei wollten wir doch mit der Musik die Talente der Kinder wecken.

Ich weiß nicht, wie es geschah, aber als ich weg war, rafften sich alle noch einmal auf. Ali übte mit Florin, von dem er vorher wütend behauptet hatte, er könne den Rhythmus nicht halten. Die Kinder strengten sich an, nachzuholen, was versäumt war. Als ich dann inmitten der Dorfbewohner der Weihnachtsmusik lauschte, hatte ich alle Streitereien vergessen. Ich sah die frohen musizierenden Kinder, die noch nicht oft ein Weihnachtsfest hatten feiern können. Und ich wurde getragen von der schönen Melodie, mit der Ali und Florin alle ergriffen. An diesem Abend war keiner allein. Wer hätte geahnt, dass die am ärgsten zerstrittenen Jugendlichen mit ihrem Lied den Weihnachtsstunden den Höhepunkt gaben?

Es waren weihnachtliche Stunden, wie sie Jesus beschreibt. „Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist.“ Jesus spricht hier über die Geburtsstunde der Kirche. Die Auseinandersetzung mit den religiösen Autoritäten wird schärfer, der Kreuzweg beginnt. Den Schmerz hält er aus im Blick auf das Neue, das kommen wird. Heiden schließen sich ihm an, wie zuvor seine jüdischen Schüler. Neben dem Judentum entsteht eine Gemeinschaft von Menschen, die Gott suchen und finden. Eine neue Religion ist geboren. Mit dem Bild von der gebärenden Frau gibt uns Jesus einen Schlüssel, um in aktuellen Konflikten nicht zu verzweifeln, sondern Überraschungen zu erwarten. Vielleicht ist Neues im Kommen.