Eine Echipa fantastica

Ruth Zenkert

Mit wem bist du fest verbunden? Wer ist auf deiner Seite? Wer setzt sich mit dir für Gerechtigkeit ein?

 
Und ich heilige mich für sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind.
Joh 17,19

 

Zwei Uhr früh. Halbzeit in der orthodoxen Osterliturgie. Ein wunderbarer Gottesdienst, der mich trotz der nächtlichen Stunde einhüllt in die Freude der Auferstehung. Plötzlich Krach: Von der kleinen Empore saust eine Fahne herunter. Niemand wird verletzt, aber es wird unruhig und laut. Schon seit einer Stunde hört man ein Auf und Ab auf den Holzstufen, manchmal ein Kichern, die Klingeltöne eingehender SMS oder Facebook-Nachrichten. Früher war die Dorfjugend „rumänisch“, die Söhne und Töchter der Bauern in den schwarzweißen transilvanischen Trachten. Heute sind viele von ihnen in die Stadt gezogen oder schlafen noch. Desto mehr dunkelfarbige, bunt gekleidete Dorfbewohner sind auf der Empore. Viele sind nicht mehr orthodox, weil sie von der amerikanischen Pfingstgemeinde abgeworben wurden. Zur Osternacht aber sind sie in die orthodoxe Kirche gekommen. Vielleicht auch, weil sie auf den guten Cozonac spitzen, den Hefekuchen, der danach verteilt wird. Was unten zunächst ein Tuscheln war, wird jetzt laut. „Ruhe dort oben, sonst geht ihr alle raus, und zwar sofort!“ Das Schimpfen richtet sich nicht mehr gegen „die Jugend“, sondern gegen die „Zigeuner“.
Nach der Messe, um vier Uhr früh, gibt es für jeden Kuchen, Kerze und einen Becher Wein. Der Pfarrer, Parinte Calin, von dem die Dorfbewohner sagen, dass er mehr in seiner „Kapelle“ – das ist das kleine Geschäft von Frau Maria – sei als in der Kirche, kommt nach den Bierchen bei Maria oft zu uns. Wir sitzen zusammen im Hof, wir die Katholischen, unsere „braunen Brüder“, Pfingstler und Orthodoxe, singen, musizieren, reden. Er vertraut uns. In diesem Sommer hat er im Sonntagsgottesdienst verkündet, dass er nun in Urlaub fahren werde. Mit den „Zigeunern“ wird er eine Wallfahrt zum Haus der Maria in Ephesus unternehmen. Der frommen orthodoxen Gemeinde stockte der Atem.

„Sich für sie heiligen“ – so bezeichnet Jesus seinen Einsatz für die Menschen. Sich heiligen heißt, eine tiefe Beziehung zu Gott suchen. Einzig Gott und seine zehn Weisungen sind der Maßstab des Handelns Jesu. Diese Orientierung entfernt ihn von weltlichen Maßstäben, sondert ihn ab von den Menschen, die egoistischen Interessen nachgehen, korrupt sind, alle Probleme zudecken. Er setzt sich ein für eine gerechte Welt. Die Beziehung zu Gott, die „Heiligung“, macht ihn dafür stark. Wer ihm vertraut, sich mit ihm verbindet, heiligt sich. Die göttliche Kraft fließt über und gibt Selbstbewusstsein, sich der Welt gegenüberzustellen: sie zu kritisieren, sie als Aufgabe zu sehen, ihr eine Alternative zur Hoffnungslosigkeit zu bieten. Jesus will, dass seine Mitarbeiter „in der Wahrheit geheiligt sind“. Wahrheit heißt hebräisch Emuna, darin steckt das Wort Amen. Dieses „Amen“ gibt übermenschliche Kräfte, und es macht eine Gemeinschaft zu einer „echipa fantastica“, wie unsere Jugendlichen uns oft nennen.
Parinte Calin hat es gewagt, mit den „Zigeunern“ unterwegs zu sein. Auch er gehört zur „echipa fantastica“.