Durchbruch zur Partnerschaft

Georg Sporschill SJ

Wo hat sich in meinem Leben ein Abhängigkeitsverhältnis in Partnerschaft verwandelt? Wann wurde ein Übergroßer mein Freund?
Ich nenne euch nicht mehr Knechte. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt.
Joh 15,15

Einem jungen Mann gelingt es ein Leben lang nicht, die Anerkennung des Vaters zu gewinnen. Schon die Mutter ist an dessen Selbstgerechtigkeit zerbrochen, nun ist es dieser ehrgeizige jüngere Sohn mit hohen Idealen. Nur der angepasste Zwillingsbruder wird vom Vater akzeptiert. Immer neue Versuche des idealistischen Sohnes, beim Vater Gehör zu gewinnen, scheitern; im Zorn verlässt er das Elternhaus. Jahre später, als der Vater nach einem Schlaganfall hilflos darniederliegt, kommt der verlorene Sohn in seine Nähe. Der Vater findet das erlösende Wort: „Schick die Krankenschwester hinaus. Du wirst mir helfen.“ Zum ersten Mal in seinem Leben unterstellt sich der große Vater seinem Sohn. Am Sterbebett werden die beiden Partner, der eine braucht den anderen. Die Hierarchie des Oben und Unten hat sich aufgelöst. Das ist die Geschichte von Cal und Aron, den Söhnen von Adam Trask, einem tugendhaften Farmer in Kalifornien, eine Geschichte, die durch den Film „Jenseits von Eden“ mit James Dean in der Rolle des verlorenen Sohnes unsterblich wurde.

Erst in seiner Schwäche kann der tugendhafte Vater die Pädagogik Jesu umsetzen. Jesus ist seinen Schülern der größte Lehrer. Er zeigt ihnen, wie sie auf Menschen zugehen können. Er macht ihnen Mut. Er überträgt auf sie die Kraft, zu heilen und zu vergeben. Jesus ist ein Meister der Liebe. Doch bei einem solchen Meister könnten Jünger auch gefährdet sein. Sie könnten sich unterdrückt fühlen, die Hände in den Schoss legen, im Gefühl ihrer Kleinheit passiv, ja sogar aggressiv werden. Dann würde der Meister das Gegenteil von dem erreichen, was er will.

Am Karfreitag hat Jesus diese Gefahr endgültig gebannt. Er hat jede Macht verloren, ist gekreuzigt worden, er stirbt. Das ist die Stunde seiner Schüler. Nun steht der Meister nicht mehr im Licht, sondern im Dunkel des Todes. Was am dritten Tag aufstrahlt, ist das göttliche Licht, das stärker ist als der Tod. Nicht Jesus hat sich erhoben, sondern Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Das Sterben befreit die Schüler von jeder Angst vor der Größe des Meisters. Durch dessen Tod und Auferstehung sind sie direkt konfrontiert mit dem, der den Meister auferweckt. Jetzt sind sie keine Schüler mehr, sondern Partner Gottes. Jesus hat ihnen alles mitgeteilt, was er von seinem Vater gehört hat. Er nennt seine Schüler nicht mehr Knechte – auch wenn die Bibel den Knecht hoch schätzt -, sondern Freunde. So hat Jesus den Unterschied zwischen Partnerschaft und Abhängigkeit definiert.

Ostern ist das Fest der Befreiung. Auch der Befreiung von jeder Übermacht, jedem Über-Ich, auch meinem eigenen. Die Befreiung zu mir selbst, der Durchbruch zur Partnerschaft mit dem Schöpfer.

Wo hat sich in meinem Leben ein Abhängigkeitsverhältnis in Partnerschaft verwandelt? Wo wurde ein Übergroßer mein Freund?