Du hörst deinen Namen

Ruth Zenkert

Der Name bringt eine Beziehung zum Klingen. Du sprichst jemanden mit Namen an. Was sagst du ihm damit?

Jesus sagte zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und sagte auf Hebräisch zu ihm: Rabbuni!, das heißt: Meister.

Joh 20,16

„Geh zum Teufel! Alle meine Toten sollen dich verfolgen!“ Diese und weitere Flüche hörte ich Moise ausrufen. Wir waren gemeinsam unterwegs. Eine kleine Wanderung war geplant gewesen, aber wir gingen doch weiter als erwartet, und das war ihm zu viel geworden. Ich marschierte voraus, um die Beschimpfungen nicht mehr hören zu müssen. So kamen wir dann alle am Ziel an, Moise mit einer Stunde Verspätung. Nachdem wir uns erfrischt hatten, gab es ein gutes Essen und ein kühles Bier. Am Abend hatte Moise sich erholt und wieder beruhigt. Glücklich saß er am Tisch und ließ den Tag noch einmal vorüberstreifen, alle schönen Begegnungen, Aussichten, Erlebnisse. „Und was machen wir morgen, liebe Argentina?“ fragte er mich. Argentina – das ist der Name seiner verstorbenen Mutter, die er über alles liebte.

Was bedeutet es, einen Namen auszusprechen? In einen Namen ist eine ganze Lebensgeschichte eingeflossen. Im Namen verdichtet sich, was jetzt zwischen mir und dem anderen da ist und wirkt. Jesus geht auf Maria zu und spricht sie mit ihrem Namen an. Maria! Sie hört darin alles, was sie mit Jesus erlebt und von ihm empfangen hat. Seine Einfühlsamkeit, das Verständnis, das er für ihre Leiden hatte, die Heilung, die gemeinsamen Wege und viele schöne Erlebnisse. In diese Geborgenheit führt Jesus die suchende Frau zurück. Und Maria von Magdala antwortet auf diese Geschichte, die er in ihrem Namen ausgelöst hat, mit dem, was er für sie ist. Rabbuni, sagt sie auf Hebräisch, in ihrer gemeinsamen Sprache. Du bist mein Meister. Mit dir darf ich lernen, du führst mich, du vertraust mir Aufgaben an und gibst die Kraft dazu. Bei dir bin ich geborgen, du wirst mich auffangen, wenn ich Fehler mache, du zeigst mir den nächsten Schritt. All diese Zuversicht löst die Weise aus, mit der Jesus auf die Frau zugegangen ist, indem er sie mit ihrem Namen angesprochen hat.

Miriam – Maria – war zurzeit Jesu und ist auch heute noch in Israel ein beliebter Mädchenname. Er erinnert an Miriam, die Schwester von Mose, die ihn als Baby aus dem Nil gezogen und der Tochter des Pharao anvertraut hat. Sie organisierte sogar, dass ihre Mutter als Amme engagiert wurde. Miriam begleitete ihren Bruder auch in schwierigen Aufgaben. Als er das Volk durch die Wüste führte, zeigte sie ihm die Wasserquellen. Sie war treu und doch nicht unkritisch. So war sie zum Beispiel mit seinen Frauenbeziehungen nicht einverstanden. Dem großen Namen Miriam wurden die Mutter Jesu und die andere tapfere Frau, die unter dem Kreuz stand, gerecht. Auch die Schwester des Lazarus, mit der Jesus besonders befreundet war, hieß so.

Maria, in diesen großen Horizont stellt Jesus die Frau am Grab, die aus Magdala gekommen war. Argentina, mit dem Namen der geliebten Mutter verzieh mir Moise, dass ich ihn überfordert hatte.

Du hörst einen Namen. Der Name bringt eine Beziehung zum Klingen. Du spürst, wer du bist und wer der andere für dich ist. Du sprichst jemanden mit Namen an. Was sagst du ihm damit?