Die Kraft der Freundschaft

Josef Steiner

„Freunde dich mit Menschen an, die es gut mit dir meinen.“ (Jordan B. Peterson)

Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen: Ich bin es.
Gen 9, 8-9
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Im dritten Kapitel seines Lebenshilfebuches „12 Rules For Life“, das den LeserInnen helfen soll, sich in einer chaotischen Welt zurechtzufinden, widmet sich Jordan B. Peterson unter der oben zitierten Überschrift der Kraft der Freundschaft. Er beginnt mit einem Blick in seine Biographie. Peterson wuchs auf in einem abgelegenen, kleinen Dorf im Westen Kanadas, mit ewig langen, frostigen und dunklen Wintermonaten und ereignisarmen Sommermonaten; in einer solchen Umgebung waren Freunde für junge Menschen überlebensnotwendig. In alten, zerbeulten Pick-ups bretterten sie durch die Dorfstraßen und, vom Film „Easy Rider“ angetrieben, über die Schotterwege der Prärie. In Spontanpartys mit viel Alkohol und genügend Gras zur Bewusstseinserweiterung, begleitet und untermalt von dröhnender Musik, die dankenswerterweise keinen Raum für Gespräche eröffnete – worüber sollte man denn reden –, vertrieben sie sich die Zeit. Oft gerieten solche Partys außer Kontrolle und endeten in Streit und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Alles, was nach Arbeit und Engagement in Vereinen oder Freizeiteinrichtungen roch, wurde tunlichst vermieden. Man zog sich gegenseitig herunter, und so wurde das gemeinsame Leben in der Clique immer langweiliger, geistloser, zynischer und deprimierender. Im Grunde wussten alle, dass sie „woanders sein“ wollten und sollten. Die meisten aus Petersons Freundeskreis schmissen dann die High School. Und zwei fanden auch ein tragisches Ende, wobei Peterson es offen lässt, ob Schicksal, Unfähigkeit oder eventuell sogar vorsätzliche Lernunwilligkeit die Gründe für ihr Scheitern waren.

Er selbst hatte Glück. Mit zwei neuen Freunden lernte er die Welt von Ehrgeiz, Zuverlässigkeit, aufrichtiger Kommunikation und die Mühe der Arbeit kennen. Die beiden motivierten ihn zum Engagement in der Studentengewerkschaft, zur Mitarbeit bei der Organisation von Uni-Festen und der Redaktion einer Studentenzeitung. Sie nahmen ihn mit in die Diskussionsseminare der Professoren für Politik, Biologie und Englische Literatur. Schritt für Schritt streifte er sein altes genussorientiertes und getriebenes Leben ab. Dank dieser Freunde lernte er, nicht das Leichteste, sondern das Schwerere zu tun. Ein Erlebnis, das ihm in seinem Leben immer wieder widerfuhr und ihn zu folgendem Rat animierte: „Glauben Sie bitte nicht, es sei einfacher, sich mit anständigen, positiven Menschen zu umgeben als mit unanständigen, negativen. Ein positiver Mensch ist ein Ideal. Es verlangt Mut und Kraft, neben so einem zu bestehen. Also üben Sie sich in Demut und seien Sie mutig. Und freunden Sie sich nur mit Leuten an, die es gut mit Ihnen meinen.“

Nach dem großen Reinigungsprozess der Flut bekommt die Familie Noachs den Auftrag, gute Früchte zu bringen und die Welt mit neuem Leben zu füllen. Eine zweite Chance für die Menschheit. Woher soll sie die Kraft dazu nehmen? Gott gibt ihr sein Jawort. Er wird und will vor allem der jungen Generation ein anspruchsvoller Freund und verlässlicher Partner sein. Mit Gott als Freund bekommt so jedes Leben Tiefe und Güte.