Aufgeweckt. Genährt. Gestärkt

Josef Steiner

Womit beginne ich den Tag? Was stärkt mich am Morgen?

Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu befragen: Wer bist Du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.

Joh 21,12

Der Raum kann sie kaum fassen: fünf liebenswerte Romakinder; fünf junge Musiker, ehemalige Straßenkinder; zwölf Volontäre aus Bordeaux, Rostock, Wien, Würzburg, Stuttgart, München, Stams in Tirol, Regensburg, die gekommen sind, um eine Woche lang mit Romakindern unter der Leitung des Virtuosen Ogi, des muslimischen Zigeuners aus Bulgarien, einen Chor aufzubauen. Im Raum sind auch Gäste, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das Leitungsteam, dazu der Hund, der das Haus bewacht. Vierzig Personen, die sich in der kleinen Hauskapelle versammeln, um gemeinsam vor Gott hinzutreten und mit ihm den Tag zu beginnen.  Das Lied „God knows my name“, bereits in Chorproben eingeübt, weckt die noch müden Geister und erwärmt die Herzen mit der Gewissheit, dass Gott alle Versammelten beim Namen kennt. Mit dem Psalm 23 vertrauen sich alle Gott als gutem Hirten an, dass er jedem genügend Lebensenergie und  Lebensfreude schenken möge, um den täglichen Pflichten und Herausforderungen gerecht zu werden. Die Lesung vom Evangelium der Brotvermehrung durch Jesus bekräftigt die frohe Botschaft des Psalms. In einer kurzen Predigt bezeugt ein ehemaliges Straßenkind dieses Wunder; das hat es selber erlebt. In den Fürbitten öffnen sich dann alle Herzen. Einmal, um Gott zu danken für das tägliche Brot, für die Familie, die Freundschaften, für die schöne Gemeinschaft. Und dann, um auf die Not der Romafamilien, ihren Hunger, ihre Konflikte, wie auch auf die Not in der Welt mit ihren Kriegen und Ungerechtigkeiten zu schauen. Wenn sich dann schließlich Roma und Deutsche, Straßenmusiker und Ärztinnen, Vertrauende und Suchende, Muslime und Buddhisten, orthodoxe, evangelische und katholische Christen an den Händen fassen und das Vaterunser beten, wird das Reich Gottes, wird eine Welt, wie ER sie sich vorstellt, handgreiflich spürbar. Mit Gottes Segen und mit dem Schlusslied „Sing and pray“ ist das Herz eingestimmt für die Aufgaben des Tages. Ein schöner und Mut machender Einstieg, der aufweckt, nährt und stärkt. Vorbereitet von vielen, getragen von allen, ermöglicht durch einen diskreten, unsichtbaren Gastgeber. Eine unvergessliche Szene.

Eine besondere Szene am See Genezareth. Langsam lichtet sich die Nacht. In der Morgendämmerung hat ein unbekannter Gastgeber ein Kohlenfeuer entzündet, darauf liegen etwas Fleisch zum Grillen und Brot. Für Wärme und Licht und für nährendes Fleisch und das tägliche Brot hat er gesorgt. Die sieben Fischer sollen das, was sie erarbeitet haben, einbringen. Mit den Worten „Auf, frühstückt!“ lädt der unbekannte Gastgeber zum gemeinsamen Mahl ein. Still und diskret, getragen von gegenseitiger Ehrfurcht, essen sie. Ein Frühstück mit dem Auferstandenen, eine erste „Frühmesse“, eine Werktagsmesse. Sie gibt der kleinen Gruppe die Kraft, das Tagwerk, den Aufbau einer neuen Gemeinschaft im Namen des Auferstandenen anzugehen. Womit beginne ich den Tag? Was stärkt mich am Morgen?