Auf der Suche nach Leben

Max Heine-Geldern SJ

Die Ehre Gottes ist der lebende Mensch. (Irenäus von Lyon)

„Da formte Gott, der HERR, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“
Gen 2,7

In seiner Heimat konnte Fahad nicht atmen. Seine Liebe zu einer Christin wurde ihm zum Verhängnis. Schnell kursierte das Gerücht, er wolle zum Christentum konvertieren. Es folgten Drohungen und Schläge. Der junge Moslem musste fort von zu Hause. Doch selbst Pakistan war nicht groß genug, um dem engen Korsett zu entfliehen. Er hätte sich verstellen müssen, um hineinzupassen. So begann für den Teenager eine mehrjährige Odyssee, bis er in Österreich erstmals wieder auf festen Boden traf. Er suchte um Asyl an. Während der Zeit des bangen Wartens tauchte er im Innsbrucker Jugendzentrum der Jesuiten auf. Inzwischen war Fahad ein junger Mann geworden. Seine Flucht hatte Spuren hinterlassen. Doch durch sie strahlte eine lebendige Freude hindurch. Wo es ging, packte er an, schloss Freundschaften und verzauberte die Jugendlichen mit seinen Kochkünsten.
Sein Antrag wurde abgelehnt. Er legte Berufung ein, wissend um seine geringen Chancen. Vermutlich wären sie weitaus größer gewesen, hätte er sich taufen lassen. Doch eine solche Täuschung würde sich wieder wie ein Korsett anfühlen. Er will einfach als freier Mensch leben können.
Die zweite negative Antwort warf ihn zurück. Erneut brach er auf und schlägt sich seitdem illegal quer durch Europa. Wird beraubt, ausgenützt und fällt. Steht wieder auf, sucht sich Arbeit und kämpft weiter. Ohne Wut erzählt er von seinen Schicksalsschlägen. Voller Dankbarkeit spricht er von den Menschen, die ihm Arbeit geben und ihn respektieren. Das sind Momente, die ihm Leben einhauchen. Ebenso wie die Musik. Vor allem die Texte des Rappers Tupac zitiert er häufig:

„Who do you believe in?
I put my faith in God, blessed and still breathin’
And even though it’s hard, that’s who I believe in
Before I’m leavin’, I’m askin’ the grievin’
Who do you believe in?”

Fahad ist sich der Quelle seines Atems bewusst, wie sie im Bibelvers beschrieben ist. In der Berührung haucht Gott dem Menschen Leben ein und bekommt so Bodenhaftung. Der Mensch antwortet, indem er lebt, ohne sich zu verstellen. Wahrhaftig keine leichte Aufgabe. Für Fahad heißt es, ständig auf der Flucht zu sein. Auf diesem Weg fühlt er sich Gott verbunden und realisiert dabei die Worte von Tupac:

“But for sure, the higher power
Resides only to ride in the heart of the true
From the soul, of the man; for truth never has an alibi
In the poetry, or in it’s realm.”