Alles hängt von dir ab

Ruth Zenkert

Gott will Partner, nicht Kinder. Aus der Spannung von Himmel und Erde ergibt sich der nächste Schritt.

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.

Gen 1,1

Die kleinwüchsige Savina sitzt mit einem Baby im Arm in der kleinen Hütte. Um sie tummeln sich ihre vielen Buben. George hat eine Brandwunde am Kopf, weil er beim Raufen an den kleinen Herd gestoßen wurde. Viorel wird immer aggressiver und provoziert, wo es geht. Im Raum steht ein Schrank, aus dem alles Mögliche herausquillt: Wäsche, Maispulver für Mamaliga, eine Taschenlampe, die Geburtsurkunden der Kinder. Zwei Betten, beladen mit Schmutzwäsche und Plastikteilen, zerlegtem Spielzeug, alten Batterien. Dort schläft ein Kind, das Gesicht von Fliegen besetzt. Savina kann hier nur noch versuchen, von einem Augenblick zum nächsten zu überleben, bis die Kinder aus dem Haus sind. Ihr Mann Milu kommt herein, er hat ein paar Äste gebracht, damit sie auf dem Herd Mamaliga kochen kann, etwas anderes gibt es selten. Zur Familie gehört der behinderte Onkel, auch er muss versorgt werden.

Unter den Kindern ist eine einzige Tochter, Maria. Man sah ihr lange nicht an, dass sie ein Mädchen ist, weil auch sie verwildert war und wegen der Läuse ganz kurze Haare hatte. Oft fürchtete sie sich, weil in der ohnehin schon überfüllten Hütte fremde Männer ein und aus gingen. Nachts versteckte sie sich in einer Luke unter dem Dach oder bei Nachbarn. Wir nahmen Maria in unsere Gemeinschaft auf. Aus dem verschreckten kleinen Wesen entpuppte sich bald ein hübsches Mädchen. Sie ging in die Schule und zeigte gute Leistungen, machte mit in unserem Chor, bekam extra Gesangsunterricht. Sie wurde ein kleiner Star. Doch je mehr sie sich entwickelte, desto mehr verlor sie das Interesse an ihrer Familie. Der Erfolg stieg ihr zu Kopf, sie drückte sich vor dem Küchendienst, wurde zickig und unzufrieden. Bis zu dem Tag, als die Delegation vom Kinderschutzamt kam und kontrollierte. Es sei illegal, hieß es, dass Maria hier wohne, sie musste zurück in die Lehmhütte. In den Schmutz mit Läusen und Flöhen, zu den wilden Brüdern und Männern, die das schöne Mädchen begehrten. Es war eine Katastrophe, für Maria und für uns. Wir begleiteten sie zu den Eltern, die nicht verstanden, was geschah. Unter Tränen richtete sich Maria ein Plätzchen ein, wo sie schlafen wollte.

Mit allen Mitteln kämpften wir darum, sie aus der schrecklichen Situation herauszuholen. Schließlich durfte sie zurück in unsere Gemeinschaft und konnte wieder lernen. Seit diesem Tag ist Maria verwandelt. Die Rückkehr zu den Eltern in Armut hat sie aufgeweckt. Die himmlische Stimme ist jetzt geerdet.

„Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, oben und unten. Aus dem Hohen und Niederen soll eine Partnerschaft werden zwischen Gott und Mensch. „Der Himmel ist Himmel des Herrn, die Erde aber gab er den Menschen.“ (Psalm 145,16) Ignatius von Loyola formulierte es pädagogisch: „Handle so, als ob alles von dir selbst abhinge, und wisse zugleich, dass alles von Gott abhängt.“ Eine zweifache Verantwortung.

Wir konnten Maria aus dem Elend herausholen. Genauso wichtig wie unsere Hilfe aber wird ihre Mitarbeit sein. Wenn sie ihre Eltern ehrt, lernt, sich um andere kümmert, dann wird sie es schaffen. Sie muss geerdet bleiben, sonst wird sie nicht selbständig.

Gott will Partner, nicht Kinder. Aus der Spannung von Himmel und Erde ergibt sich Zukunft, zumindest der nächste Schritt.